Bernhard Liechti ist der vorläufige Sieger

KPT-Interimschef Walter Brun hat demissioniert. Die bisherige Nummer zwei Bernhard Liechti ist sein Nachfolger. Mit dieser neuen Situation ist aber das Problem bei der Berner KPT nur halbwegs gelöst.

KPT-Chef Walter Brun konnte nur deshalb nach seinem Belieben schalten und walten, weil er im Vorstand Marionetten um sich scharte. Vielleicht mit einer Ausnahme: Bernhard Liechti, die bisherige Nummer zwei ist nach dem Abgang von Brun der neue starke Mann. Er ist bis zuletzt zu Walter Brun gestanden. Er ist auch das einzige Ausschuss-Mitglied mit einem beruflichen Leistungsausweis, der einem solchen Mandat wenigstens in gewissen Teilen zu genügen vermag.


Die berufliche Qualifikation ist das eine; die charakterliche etwas anderes. Und diesbezüglich scheint Liechti nicht über alle Zweifel erhaben zu sein. Als Wirtschaftsprüfer bei der STG Coopers & Lybrand in Bern war es ihm nicht vergönnt, Partner zu werden. Nicht aus fachlichen, sondern aus charakterlichen Gründen, wie man in der Branche weiss. Auch bei YB, wo Liechti vor zwei Jahren als Finanzchef wirkte, stösst man problemlos auf Leute, die kein gutes Haar an Liechti lassen. Auch dort waren nicht fachliche Mängel der Grund für einen steigenden Adrenalinspiegel.


«Extrem geradlinig»


Der damalige YB-Präsident Peter Morgenthaler gehört allerdings nicht zu diesen Kritikern. Auf Bernhard Liechti angesprochen verfällt er ins andere Extrem: «sehr kompetent», «extrem geradlinig», «einer der besten seines Faches», schwärmt der ehemalige Finanzchef von Garbagas.

Auch andere Wirtschaftleute in Bern, die Liechti als Wirtschaftsprüfer oder Kunde kennen, sind eigentlich erstaunt, dass sich der kompetent wirkende Revisor bei der KPT derart unvorteilhaft in Szene setzt. «Ich hatte stets einen sehr guten Eindruck von Herrn Liechti», erklärt der Finanzchef einer grösseren Holding-Firma in Bern.


Mittlerweile ist Liechti dennoch Partner geworden, nicht bei der STG, sondern bei der Fidinter Treuhandgesellschaft in Bern, deren Hauptsitz in Lausanne liegt. In dieser Funktion scheint er einiges in Bewegung gebracht zu haben. «Er ist aktiv am Markt, sehr agressiv und auch preislich aggressiv - das gefällt vielen nicht», bemerkt ein Beobachter der Szene.


Unerträglich


KPT-intern scheint jedoch Liechti mindestens so unerträglich zu sein wie Walter Brun. Als der entlassene KPT-Direktor Walter Kohler vom «Bund» gefragt wurde, unter welchen Bedinungen er in die Direktion zurückkehren würde, erklärte Kohler ohne wenn und aber: «Zumindest die beiden Herren Brun und Liechti müssen gehen». Auch Finanzchef Alfred Amrein wird Liechti als obersten KPT-Chef nie und nimmer akzeptieren können, wie er der Berner Zeitung erklärt. «Zuerst glaubte ich, mit Liechti endlich einen kompetenten Gesprächspartner im Vorstand gefunden zu haben», so Amrein. «Doch Liechti sagte oft etwas anderes als er dachte, wie sich später herausstellte. Ihm kann ich nicht trauen.»


Erste Forderung erfüllt


Die Belegschaft hingegen hat sich nicht ausdrücklich gegen Liechti ausgesprochen. Sie hat zwei Forderungen gestellt: den Rücktritt von Walter Brun sowie die Wiedereinsetzung des gefeuerten Direktors Walter Kohler und seines Stellvertreters Hans-Peter Wyss. Forderung Nummer eins ist mittlerweile erfüllt; Forderung Nummer zwei hingegen noch nicht - sie wird sich mit Liechti an der Spitze nur schwerlich erfüllen lassen.·


Erschienen in der BZ am 25. August 1999

Claude Chatelain