Versicherer nehmen Produkte vom Markt

Lebensversicherungsgesellschaften stoppen  wegen der Negativzinsen den Verkauf von Produkten. Sollte das Schule machen, hätte das für schlecht versicherte ältere Leute  bedenkliche Folgen.

Bekannt ist, dass Lebensversicherungsgesellschaften wegen der tiefen Zinsen kaum mehr Rentenversicherungen verkaufen. Neu ist, dass gewisse Versicherer aufgrund der jüngsten Entwicklung solche Angebote vom Markt genommen haben. Das gilt für Generali und Allianz Suisse. Sollte das Vorgehen Schule machen, hätte das für gewisse Leute verhängnisvolle Konsequenzen. Nämlich für jene, welche das Langleberisiko versichert haben möchten, um es in der Sprache der Assekuranz zu sagen.


Das Risiko, lange zu leben


Volkstümlicher ausgerückt: Wer bis ans Lebensende auf eine garantierte garantierte Rente vertrauen will, schliesst eine Rentenversicherung ab. Das tun etwa Leute, die über keine Pensionskasse verfügen und die nicht den Launen der Finanzmärkten ausgeliefert sein wollen. Zu diesem Zweck überweisen sie dem Lebensversicherer einen Teil der Ersparnisse und erhalten als Gegenleistung eine lebenslängliche Rente plus allenfalls noch Überschüsse, die freilich nicht garantiert sind.


Die garantierte Rente ist im Verlauf der Jahre wegen der sinkenden Zinsen stets kleiner geworden. Versicherungstechnisch ausgedrückt: Die Versicherer haben laufend den technischen Zins gesenkt, mit welchem die garantierte Leistung berechnet wird.


Laut Philipp Gmür, dem Vorsitzenden der Geschäftsleitung von Helvetia Schweiz, ist es zur Zeit kein Thema, Rentenversicherungen vom Markt zu nehmen». Dies erklärte er gestern am Rande der Bilanzmedienkonferenz  der Helvetia Gruppe. «Wir als Lebensversicherer müssen dem Kunden die Möglichkeit bieten, das Langleberisiko zu versichern».


Warum hat Allianz Suisse nicht einfach den technischen Zins  und damit die garantierte Rente gesenkt? Ein Sprecher liess die Frage offen und meinte lediglich, dass Allianz Suisse als Sofortmassnahmen traditionelle Einmaleinlagen-Produkte und Rentenprodukte «temporär geschlossen» habe. Dies als Reaktion auf den Entscheid der Schweizerischen Nationalbank von Mitte Januar. 


Ein Insider meinte, Allianz hätte keine Senkung des technischen Zinsen vorgenommen, weil die Massnahme  nur temporär sei. Änderungen von technischen Zinssätzen müssten auch von der Aufsicht genehmigt werden. Das nehmen viel Zeit in Anspruch.


Bald ohne National


Beim Vergleichsdienst Info4Insider mit Sitz in Gümligen sind mittlerweile nur noch sechs Anbieter aufgeführt, welche sofort beginnende Rentenversicherungen anbieten. Und wenn man bedenkt, dass ab dem 1. Mai 2015 Nationale Suisse voll in die Helvetia-Gruppe integriert und die Marke National verschwinden wird, verblieben dann nur noch fünf.


Nicht nur mit Leibrenten, auch mit der konventionellen Einmalprämienversicherung  tun sich die Versicherer schwer. Sie werden von der Allianz wie auch von der Basler derzeit nicht mehr verkauft. Doch im Unterschied zur Rentenversicherung ist das für den Markt nicht unbedingt ein Verlust, Mit der Einmalprämienversicherung zahlt man dem Versicherer einen namhaften Betrag, den man dann nach zehn Jahren mit einer bescheidenen Rendite steuerfrei wieder beziehen kann.


Kleinere Garantien


Auch bei anderen Produkten hinterlässt der verhängnisvolle Entscheid der Nationalbank seine Spuren. So zum Beispiel bei den stets beliebteren Auszahlungsplänen, die zu einem grossen Teil die Leibrenten ersetzten. Auszahlungspläne sind Zeitrenten und daher im Unterschied zu den Leibrenten befristet. Swiss Life und Generali senkten bei ihren Auszahlungsplänen die garantierte Leistung.

 

Erschienen in der BZ am 17. März 2015

Claude Chatelain