Fürs Sparen zur Steuerverwaltung

Wer zahlt heute noch einen Zins von 0,25 Prozent? Die Steuerverwaltung.
Wer zahlt heute noch einen Zins von 0,25 Prozent? Die Steuerverwaltung.

Die Steuerverwaltung des Kantons Bern zahlt für Vorauszahlungen von Steuerrechnungen einen Zins von rekordverdächtigen 0,25 Prozent. Unter Umständen gibts sogar 3 Prozent.

In fünf Tagen läuft die Frist für die Steuererklärung ab. Erfahrungsgemäss passiert nicht viel, wenn man die Steuererklärung ein paar Tage oder gar ein paar Wochen nach dem 15.März einreicht. Die Mitarbeitenden der Steuerverwaltung können nicht alle Steuererklärungen gleichzeitig bearbeiten. Doch sicher ist sicher: Wer die Frist nicht einzuhalten vermag, sollte eine Fristverlängerung beantragen, zumal sie online äusserst einfach zu bewerkstelligen ist. So spart man sich Kosten von 60 Franken für die Mahnung. Online sind Fristverlängerungen bis 15 September kostenlos. Wer es bis dann immer noch nicht geschafft hat, kann für 10 Franken eine weitere Verlängerung bis spätestens 15.November verlangen. Nicht gratis sind telefonische oder schriftliche Fristverlängerungen. Kostenpunkt: 20 Franken.


Veranlagung nach Ermessen


Definitiv teurer wird es für jene, welche trotz Mahnung der Steuerverwaltung nichts von sich hören lassen. Die Mahngebühr von 60 Franken wäre wohl zu verkraften, doch wenn die Steuerverwaltung wegen des Nichteinreichens einer Steuererklärung eine Veranlagung nach Ermessen vornimmt, geschieht dies meistens nicht zugunsten des Steuerzahlers. Doch die Steuerverwaltung zeigt sich gnädig: Sie gibt den Säumigen eine weitere Frist von 30 Tagen, damit sie eine vollständige Steuererklärung nachträglich noch einreichen können.  


Vorauszahlung: 0,25 Prozent


Wer nicht nur Gebühren sparen, sondern auch noch Zinserträge generieren will, kann seine Steuerrechnungen im Voraus bezahlen, indem man den ungefähren Gesamtbetrag  überweist. Das muss jedoch mit speziellen Einzahlungsscheinen geschehen, die man bei der Steuerverwaltung bestellen kann. Für Vorauszahlungen vergütet der Kanton Bern einen Zins von 0,25 Prozent, deutlich mehr als die Banken.  


Für Christoph Berger ist das viel zu viel. Der SVP-Grossrat aus Aeschi hält in einer Interpellation fest, dass die Verzinsung von Steuervorauszahlungen von 0,25 Prozent nicht mehr gerechtfertigt seien. «Es muss davon ausgegangen werden, dass diese Handhabung für den Kanton ein Verlustgeschäft ist.» Der Vorsitzende der Bankleitung Raiffeisenbank Frutigland will daher vom Regierungsrat unter anderem wissen, in welchem Umfang die Steuervorauszahlungen in den letzten drei Jahren zugenommen hätten und wie hoch sich die Gesamtsumme der Vorauszahlungen beziffere.


Google weiss Rat


Der SVP-Grossrat hätte auch Google fragen können. Dort wäre er auf die Website der Steuerverwaltung gestossen, wo zu lesen steht, dass die verzinslichen Vorauszahlungen 2013 um 16,7 und 2014 um 22,7 Prozent zugenommen haben. Die Gesamtsumme vorausbezahlter Rechnungen belief sich 2014 auf 428 Millionen Franken. Gemessen am Steuerertrag von 3,8 Milliarden Franken für die Einkommens- und Vermögenssteuern beträgt der dadurch entstandene Zinsaufwand des Kantons Bern lediglich 0,009 Prozent.


Vergütung: 3 Prozent


Apropos Zinsen: Im Falle, dass die von der Steuerverwaltung in Rechnung gestellten und bezahlten Raten höher ausfallen als die effektive Schuld gemäss der definitiven Veranlagung, zahlt die Steuerverwaltung einen Vergütungszins von 3 Prozent. Er ist gleich hoch wie der Verzugszins für zu spät bezahlte Rechnungen.


Erschienen in der BZ am 10. März 2015

Claude Chatelain