UBS warnt vor einem Zinsschock

Lukas Gähwiler, CEO UBS Schweiz.
Lukas Gähwiler, CEO UBS Schweiz.

Die Einführung von negativen Zinsen hat  laut UBS noch gravierendere Auswirkungen auf die Schweizer Wirtschaft als die Aufhebung der Eurountergrenze.

Der Schock über die Freigabe des Frankenwechselkurses zum Euro sitzt immer noch tief. Doch damals, am 15.Januar, verkündete die Nationalbank nicht nur die Aufhebung der Euromindestgrenze. Sie gab gleichzeitig die Einführung negativer Zinsen bekannt. «Diese zweite Massnahme ist mindestens so entscheidend, wenn nicht noch gravierender als die Aufgabe der Euromindestgrenze», erklärt Lukas Gähwiler. Der CEO der UBS Schweiz wies gestern an einem Medienfrühstück in Zürich sehr wohl darauf hin, dass die Aufgabe des Mindestkursziels und die damit einhergehende Aufwertung des Frankens für die Exportwirtschaft enorme Belastungen hervorrufe. Die Negativzinsen sollen die Frankenaufwertung mildern. Dennoch, so Gähwiler wörtlich: «Vermag der positive Einfluss der Negativzinsen auf den Wechselkurs wirklich all die anderen negativen Auswirkungen zu rechtfertigen?» 


Das Risiko der Zinsänderung


«Die Wirtschaft braucht positive Zinsen», sagt Gähwiler, der seit fünf Jahren an der Spitze der UBS Schweiz steht. Zuvor war der im sankt-gallischen Goldach aufgewachsene Banker während sieben Jahren Kreditchef bei der Credit Suisse. Mehr als andere Banker dürfte er deshalb für drohende Zinsschocks sensibilisiert sein, wie sie wiederholt auftreten. Die UBS rechnet zwar nicht mit einem Schock an den Zinsmärkten, will ihn aber mittelfristig auch nicht ausschliessen. Gähwiler erinnert an die Savings-and-Loan-Krise der USA, als in den Achtzigerjahren über tausend Sparkassen zusammenbrachen. Oder an die Bankenkrise der Schweiz, als die Spar- und Leihkasse Thun kollabierte. Bei einem Zinsschock von ähnlichem Ausmass wie Ende der Achtzigerjahre könnten die Schweizer Banken laut UBS über die kommenden zehn Jahre kumuliert über 30 Milliarden Franken Zinserträge einbüssen. «Ich hoffe sehr, dass sich die Banken gegen das Zinsänderungsrisiko absichern», warnt Gähwiler.


Teure Absicherung


Das Risiko besteht darin, dass die Banken für langfristige Hypotheken nur geringe Erträge erzielen und auf der anderen Seite nach einem starken Zinsanstieg hohe Sparzinsen zahlen müssten. Banken können sich gegen dieses Zinsänderungsrisiko absichern, was immer mit hohen Kosten verbunden ist. Zudem fallen solche Kosten mit sinkenden Margen zusammen. Die negativ verzinsten Sichteinlagen bei der Nationalbank dürften für den Bankensektor laut UBS bis 1 Milliarde Franken betragen.


Selbst in einem mittleren Szenario gehen die UBS-Ökonomen davon aus, dass die kurz- und mittelfristigen Zinsen bis ins Jahr 2017 im negativen Bereich verharrten. Tiefe Zinsen verteuerten die Arbeit relativ zum Kapital, weil dieses extrem günstig zu haben sei. In Kombination mit dem starken Franken führe das zu einer Zunahme der Arbeitslosigkeit vor allem bei tiefer qualifizierten Arbeitskräften. Dieser Aussage ist freilich entgegenzuhalten, dass eine abnehmende Nachfrage nach ausländischen Arbeitskräften insbesondere für die Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative auch eine positive Komponente enthält.


Auswirkung auf die Säule 3a


In keiner Weise positiv sind negative Zinsen dagegen für das Vorsorgesystem der Schweiz. Dieser Befund ist freilich nicht neu, da insbesondere die Pensionskassen schon mit tiefen Zinsen ihre Mühe haben, geschweige denn mit negativen. Daniel Kalt, Chefökonom UBS-Schweiz, macht sich jedoch auch Sorgen um die steuerbegünstigte private Vorsorge 3a. Da auch die Zinsen solcher Konti abnähmen, seien Anleger mit Vorsorgefonds besser bedient. Dieser Tipp einer Grossbank scheint nicht ganz uneigennützig zu sein. Mindestens 50 Prozent der Vorsorgefonds 3a sind in Obligationen angelegt. Sollte der Zinsschock eintreten, wie er eben nicht ausgeschlossen werden kann, würden die Kurse der Obligationen und damit der Wert der Fondsanteile in den Keller sausen.

 

Erschienen in der BZ am 7. März 2015

Claude Chatelain