Wenn ältere Arbeitnehmer neue Prioritäten setzen

Lieber auf dem Golfplatz  als am Arbeitsplatz? Wer das Pensum reduziert, muss mit einer tieferen Rente rechnen.
Lieber auf dem Golfplatz als am Arbeitsplatz? Wer das Pensum reduziert, muss mit einer tieferen Rente rechnen.

Reduziert eine Person im Alter das Pensum, stellen sich in der beruflichen Vorsorge einige Fragen. Wieweit ist eine Renteneinbusse in Kauf zu nehmen? Sind freiwillige Einkäufe weiterhin möglich? Kann man das Kapital, das bei der Scheidung geteilt wurde, wieder einzahlen?

Bis Alter 60 rennen Arbeitnehmer mit der Gesundheit dem Geld nach. Ab 60 rennen sie mit dem Geld der Gesundheit nach. Mehr und mehr Leute sind daher  in fortgeschrittenem Alter  gut beraten, beruflich kürzerzutreten und das Pensum zu reduzieren. Damit nehmen sie aber nicht nur eine Lohneinbusse, sondern auch lebenslange Renteneinbussen in Kauf.


Vorsorgeeinrichtungen können  jedoch im Reglement die Möglichkeit schaffen, dass  Versicherte bei der ordentlichen Pensionierung trotz Kürzung von Pensum  und Lohn die volle Rente erhalten, wie wenn sie weiterhin zu 100 Prozent arbeiteten. Sie müssten weiterhin die Beiträge bezahlen, wie sie auf  dem 100-Prozent-Lohn berechnet würden. Und je nach Reglement würden ihnen auch die Arbeitgeberbeiträge vom Lohn abgezogen.


Das Gesetz formuliert es in Artikel 33a so: «Die Vorsorgeeinrichtung kann in ihrem Reglement vorsehen, dass für Versicherte, deren Lohn sich nach dem 58.Altersjahr um höchstens die Hälfte reduziert, auf Verlangen der versicherten Person die Vorsorge für den bisherigen versicherten Verdienst weitergeführt wird.» Und: «Das Reglement kann Beiträge des Arbeitgebers für diese Weiterversicherung nur mit dessen Zustimmung vorsehen.»


Was geschieht mit der Einkaufslücke? Kann sie nach der Reduktion des Pensums im bisherigen Umfang geschlossen werden?  Die Antwort lautet ja, sofern das Reglement die Möglichkeit gemäss BVG 33a geschaffen hat. Die Antwort lautet jein, sofern diese Möglichkeit im Reglement nicht vorgesehen ist. Nein, weil  mit der Reduktion von Arbeitspensum und Lohn auch die maximale Einkaufssumme und damit die Einkaufslücke kleiner werden.


Sonderfall Scheidung
Das BVG wäre nicht das BVG, wenn jetzt schon alles klar wäre. Ein Sonderfall ergibt sich bei Scheidungen: «Was man bei der Scheidung teilen muss, kann man später auch wieder in die Pensionskasse einzahlen», erklärt Christoph Ryter, der Präsident des Pensionskassenverbands Asip. Dazu ein simples Zahlenbeispiel: Eine Person lässt sich mit Alter 55 scheiden. Ihr Alterskapital beträgt 350000 Franken; die Hälfte geht an den Ex-Partner. Es klafft eine Einkaufslücke von 175000 Franken. Mit 60 Jahren reduziert die geschiedene Person das Pensum; die Einkaufslücke beträgt – zum Beispiel – nur noch 150000 Franken. Dennoch kann sie 175000 Franken in die Pensionskasse zahlen und vom steuerbaren Einkommen in Abzug bringen, entsprechend jenem Betrag, der bei der Scheidung ausbezahlt wurde.


Sonderfall Teilpensionierung
Aufgepasst: Lässt sich eine angestellte Person teilpensionieren, ist der Einkauf nur noch im Umfang der Weiterbeschäftigung  möglich. Eine Teilpensionierung liegt vor, wenn sich der Arbeitnehmer für das reduzierte Pensum eine Rente oder das Kapital auszahlen lässt. Teilweise wird unter Experten die Meinung vertreten, dass der Wiedereinkauf gestützt auf Artikel 22c des Freizügigkeitsgesetzes nur möglich ist, solange man die Vorsorgeeinrichtung nach der Scheidung nicht wechselt.


Sonderfall Kadervorsorge


Auch das Vermögenszentrum thematisierte kürzlich in den «VZ-News» die Folgen einer Frühpensionierung. «Mit einer Kadervorsorge des VZ können Versicherte bis zum regulären Pensionsalter ihren vollen Lohn in der Pensionskasse versichern», schreibt Pensionskassenspezialist Iwan Bernegger. Das gelte auch dann, wenn man das Pensum nach 58 reduziere und bis zu 50 Prozent weniger verdiene. «Damit fallen die Altersleistungen gleich hoch aus wie ohne Arbeitszeitreduktion, und die Steuerbelastung sinkt deutlich.»


INFOTHEK

Der maximale Einkauf entspricht der Differenz zwischen der Summe der ab Alter 25 auf dem aktuellen Lohn berechneten reglementarischen Altersbeiträge einerseits und dem vorhandenen Alterskapital andererseits. Mit jeder Lohner-höhung entsteht somit eine Einkaufslücke, die man mit zusätzlichen Einkäufen schliessen kann. Auch wer nach 25 in eine Pensionskasse 

eintritt, wird eine Einkaufslücke aufweisen. Besonders gross wird diese Lücke bei Scheidungen, wenn die Hälfte des während der Ehe angesparten Altersguthabens der Pensionskasse des Ex-Partners überwiesen werden muss.


Erschienen in de BZ am 3. März 2015


Claude Chatelain