Vierte Säule: An höhere Bankgebühren müssen wir uns erst noch gewöhnen

Eine arme Witwe schreibt dem Christkind einen Brief: «Liebes Christkind, ich bin sehr arm, bitte schicke mir 100 Franken.»

Der Brief gelangt irgendwie zu ihrer Bank, wo sofort eine Sammlung durchgeführt wird. Sie bringt immerhin 90 Franken zusammen. Das Geld schickt sie der Frau. Die Witwe schreibt in ihrer Dankbarkeit zurück: «Liebes Christkind, vielen Dank für das Geld. Aber schicke es das nächste Mal nicht mehr an die Bank, denn diese Gauner haben mir gleich 10 Prozent Bearbeitungsgebühr abgezogen.»

 

Weihnachten ist zwar vorüber; doch der Ärger über die Gebührenpolitik der Banken ist immer noch akut. Bankkunden staunen, dass das Konto nicht mehr spesenfrei ist oder dass die Bank die Gebühren erhöht. Weil die Banken mit dem Zinsdifferenzgeschäft kaum mehr Geld verdienen, holen sie es anderswo herein, eben mit Gebühren. Zur Präzisierung: Das Führen eines Kontos kostete die Banken schon immer Geld, nur dass sie auf Spesen verzichteten, weil sie mit dem Zinsdifferenzgeschäft genug verdienten. Eine Gebührenerhöhung ist auch auf Wertschriftendepots zu erwarten. Sogar auf den Depots von Vorsorgefonds 3a wird mitunter eine Gebühr erhoben.

An all die neuen und höheren Bankgebühren müssen wir uns erst noch gewöhnen.
An all die neuen und höheren Bankgebühren müssen wir uns erst noch gewöhnen.

Diese Gebührenerhöhung ist freilich nicht mit dem raueren Wind zu erklären, der den Banken um die Fassade bläst. Sie ist vielmehr eine Folge erhöhter Transparenz. Denn wenn eine Bank im Auftrag des Kunden Fondsanteile kauft, erhält sie von der Fondsgesellschaft eine Provision, genannt Retrozession oder Kickback. Doch das Bundesgericht hat wiederholt bekräftigt, dass die Banken solche Retros nicht telquel in den eigenen Sack stecken dürfen. Deshalb setzen mehr und mehr Institute auf retrofreie Fonds. Damit entgeht ihnen die Verkaufsprovision, die sie nun mit einer höheren Depotgebühr kompensieren.

 

Solange üppige Zinsen fliessen oder die Finanzmärkte boomen, stört sich der Bankkunde nicht an den Gebühren. Wenn aber die Spesen höher sind als der Zinsertrag, so tut das doppelt weh: Daran müssen wir uns erst noch gewöhnen.

 

Erschienen in der BZ am 17. Februar 2015

Claude Chatelain