Help Point: Um Vorsorgegelder betrogen worden?

Schweizer Treff in Thailand. Ist eine von diesen um Vorsorgegelder betrogen worden?
Schweizer Treff in Thailand. Ist eine von diesen um Vorsorgegelder betrogen worden?

Als ich vor vielen Jahren ausgewandert bin, wurden mir von der Pensionskasse nur die Arbeitnehmeranteile ausgezahlt. Nun habe ich erfahren, dass die Pensionskassen eigentlich verpflichtet wären, auch die Arbeitgeberanteile auszuzahlen. Wurde ich da betrogen? Besteht die Möglichkeit, das restliche Geld nachzufordern? I. C. in P. (Thailand)

Wir freuen uns natürlich sehr, dass der Help Point von CASH auch im fernen Thailand gelesen wird. Doch nun zu Ihren Fragen. Zunächst einmal gilt es abzuklären, was denn «vor vielen Jahren» heisst. Sind seit Ihrer Auswanderung in den Fernen Osten fünf, zehn oder gar zwanzig Jahre vergangen?


Die Antwort auf diese Frage ist nämlich zentral. Denn die beruflichen Vorsorgeeinrichtungen sind erst seit dem 1. Januar 1995 verpflichtet, bei einem Austritt eines Arbeitnehmers sämtliche Arbeitgeberbeiträge mitzugeben. Das heute gültige Freizügigkeitsgesetz ist nämlich erst seit gut elfeinhalb Jahren in Kraft. Wenn Sie also vor Inkrafttreten des neuen Freizügigkeitsgesetzes aus der Gesellschaft ausgetreten waren, könnte es gut möglich sein, dass alles seine Richtigkeit hat, dass Sie also keinen Anspruch auf die Arbeitgeberbeiträge haben.


Aber sicher ist das nicht. Wer länger als fünf Jahre beim gleichen Arbeitgeber tätig war, hatte beim Austritt aus der Vorsorgeeinrichtung zumindest einen Teil der Arbeitgeberbeiträge zugut. Denn schon vor 1995 existierten gewisse gesetzliche Vorgaben, dass bei einem Stellenwechsel nicht alle Arbeitgeberbeiträge in der Vorsorgeeinrichtung bleiben durften.


Wieder einmal gilt: Ausnahmen beachten


Doch auch diesbezüglich gab es auch Ausnahmen: Denn in den Anfängen der obligatorischen beruflichen Vorsorge waren die Arbeitnehmer manchmal gezwungen, sich beim Stellenantritt voll in die neue Pensionskasse einzukaufen: Was häufig Zehntausende von Franken gekostet hat oder gekostet hätte. Oft waren die Arbeitnehmer aber nicht in der Lage, sich mit solchen Beträgen einzukaufen. In diesen Fällen übernahm dann häufig der Arbeitgeber einen Teil der Eintrittsleistung.


Wenn nun der Arbeitnehmer einige Jahre später die Kündigung einreichte, konnte der Arbeitgeber die Eintrittsleistung, die er selber beisteuerte, mit den ordentlichen Arbeitgeberbeiträgen verrechnen. In solchen Fällen konnte also der Arbeitnehmer nur die Arbeitnehmerbeiträge mitnehmen. Dies alles gilt für den Fall, dass Sie vor 1995 ins Ausland gezogen sind.


Eine Klage hätte wohl nur wenig Aussicht auf Erfolg


Bei der Zentralstelle der zweiten Säule in Bern (www.sfbvg.ch) können Sie sich schriftlich erkundigen, ob in Ihrem Fall allenfalls noch vergessene Vorsorgeguthaben bestehen. Sollten Sie aber weiterhin der Meinung sein, um die Arbeitgeberbeiträge geprellt worden zu sein, stünde Ihnen grundsätzlich noch der Klageweg nach Artikel 73 BVG (Bundesgesetz über die berufliche Vorsorge) offen. Zumindest theoretisch. Denn um Aussichten auf Erfolg zu haben, müssten Sie sämtliche Unterlagen von damals noch aufbewahrt haben.


Ohne Beweisstücke sind Sie in einem Rechtsstreit am kürzeren Hebel. Obschon die Vorsorgeansprüche gar nicht verjähren, müssen die Vorsorgeeinrichtungen nämlich die Unterlagen nur zehn Jahre aufbewahren. Aber dies ist eine andere Geschichte.


Erschienen im CASH am 17. August 2006

Claude Chatelain