Neu können auch die Kosten für den Kaminfeger abgezogen werden

Tina Turner, Hans Martin Bleuer, Annelies Howald und Markus Gfeller beantworten auf der Redaktion Fragen zur Steuererklärung.
Tina Turner, Hans Martin Bleuer, Annelies Howald und Markus Gfeller beantworten auf der Redaktion Fragen zur Steuererklärung.

Können Grosseltern Ausbildungskosten der Enkel geltend machen? Wer muss die Steuererklärung der verstorbenen Mutter ausfüllen? Wo kann ich die Kosten für das Hörgerät in Abzug bringen. Und fünf weitere Fragen zu Steuern.

1. Ich betreue meinen bettlägerigen Vater und bekomme dafür einen Pflegelohn, den ich mir aber nur teilweise auszahlen lasse. Muss ich bei der Erbteilung den nicht ausbezahlten Teil als Vermögen oder als Einkommen versteuern?
Entschädigungen für Pflegeleistungen mehrerer Jahre sind als Einkommen zu versteuern, aber  nicht zum ordentlichen Steuersatz, sondern zum Rentensatz  zusammen mit dem übrigen Einkommen. Um die Einkommenssteuer legal zu vermeiden, könnten Sie sich allenfalls einen Teil des Pflegelohns als Schenkung auszahlen lassen. Im Kanton Bern sind Schenkungen an direkte Nachkommen steuerfrei. Da Sie noch Geschwister haben, ist freilich darauf zu achten, dass mit der Schenkung keine Pflichtteile verletzt werden.

2. Unsere verwitwete Mutter ist gestorben. Wer muss nun ihre Steuererklärung ausfüllen? 
Ein Steuerberater, Sie selber oder eines Ihrer Geschwister. Grundsätzlich sind zwei Steuererklärungen einzureichen. Eine für die verstorbene Mutter bis zu deren Todestag  plus  eine für die Erbengemeinschaft. Jedes der erbberechtigten Geschwister muss dann die Angaben der Erbengemeinschaft in seine eigene Steuererklärung aufnehmen.  

Annelies Howald, STG, Bern.
Annelies Howald, STG, Bern.

3. Meine Tochter, eine Studentin,  machte einen Sprachaufenthalt. Kann sie die Kosten in ihrer Steuererklärung geltend machen? 
Nein. Der Sprachaufenthalt steht nicht im Zusammenhang mit ihrem Beruf, deshalb kann Ihre Tochter die Auslagen nicht als Berufskosten geltend machen. Falls Sie als Vater für die Kosten aufkamen, so können Sie die Auslagen bei der Kantonssteuer bis maximal 6200 Franken als Ausbildungskosten geltend machen, sofern der Sprachaufenthalt Teil des Studiums der Tochter bildet. Zusätzlich können Sie 8000 Franken als ordentlichen Kinderabzug angeben. Doch aufgepasst: Kinderabzug und Abzug für Ausbildungskosten können Sie nur geltend machen, wenn Ihre Tochter nicht mehr als 24 000 Franken pro Jahr verdient. 

4. Mein 88-jähriger Vater erhielt von meinem unerwartet verstorbenen, kinderlosen Bruder eine Kapitalleistung aus einer Versicherung. Wie muss er diese versteuern?
Das kommt darauf an, was für eine Lebensversicherung Ihr Bruder abgeschlossen hatte. Sofern es sich um eine rückkaufsfähige Kapitalversicherung handelte, werden Erbschaftssteuern fällig. Bei einer nicht rückkaufsfähigen Kapital- oder Rentenversicherung gibt es keine Erbschaftssteuer. Wenn es sich um eine «der Vorsorge dienende» Kapitalleistung handelt, wird die Auszahlung mit einer Sonderveranlagung zum Vorsorgetarif besteuert. Der Versicherungsvertrag muss aber angeschaut werden damit die richtige Zuordnung vorgenommen werden kann.

Markus Gfeller, Accontax, Langenthal.
Markus Gfeller, Accontax, Langenthal.

5. Ich finanziere das Studium meines Enkels. Meine allein erziehende Tochter verdient zu wenig, um ihren Sohn zu unterstützen. Kann ich die Ausbildungskosten des Enkels geltend machen? Oder kann ich wenigstens einen Unterstützungsabzug für meine Tochter vornehmen?
Nein, einen Unterstützungsabzug für Ihre Tochter würde die Steuerverwaltung nicht akzeptieren. Der Abzug ist nur zulässig für erwerbsunfähige oder beschränkt erwerbsfähige Personen. Was Kinderabzug und Ausbildungs-kosten betreffen, so haben nur die Eltern Anspruch darauf, auch wenn die Grosseltern die entsprechenden Kosten tragen. In Ihrem Fall wäre es allenfalls sinnvoll, die für den Enkel vorgesehenen Unterstützungsbeiträge Ihrer Tochter zu schenken, damit sie das Geld dem Sohn weiterleitet. Auf diesem Weg könnte zumindest Ihre Tochter in ihrer Steuererklärung die Ausbildungskosten in Abzug bringen.

Tina Turner, T+R, Gümligen.
Tina Turner, T+R, Gümligen.

6. Ich habe einem Schwager eine Bürgschaft gegeben. Weil er die Schulden nicht bezahlte, musste ich tief in die Tasche greifen. Vom Schwager werde ich sicher kein Geld sehen. Wo kann ich dies in der Steuererklärung  abziehen?
Nirgends. Private Darlehen wie auch die Folgekosten Ihrer Bürgschaft kann man steuerlich nicht geltend machen. Das wird gleich gehandhabt wie ein privater Kapitalverlust. Anders verhält es sich bei Geschäftsdarlehen. Diese werden in der Buchhaltung erfasst, schmälern den Gewinn und senken damit die Steuerlast.

7. Ich habe mir sagen lassen, dass ich die Kosten für den Kaminfeger hätte abziehen können. Ich habe aber die Steuererklärung bereits abgeschickt. Was kann ich tun?
Tatsächlich kann neu die Rechnung des Kaminfegers bei den Liegenschaftskosten in Abzug gebracht werden. Das ist vielen nicht bekannt, weil die Steuerverwaltung des Kantons Bern das auch nicht ausdrücklich kommunizierte. Machen Sie schriftlich einen Nachtrag. Und achten Sie bei Erhalt der Verfügung darauf, ob Ihr Nachtrag berücksichtigt wurde. Falls nicht, sollten Sie Einsprache erheben.

Hans Martin Bleuer, Lehmann + Bacher, Grindelwald.
Hans Martin Bleuer, Lehmann + Bacher, Grindelwald.

8. Ich habe im letzten Jahr ein Hörgerät gekauft und soeben die Rechnung erhalten. Kann ich diese Kosten geltend machen? Und soll ich das jetzt tun oder erst im nächsten Jahr?
Massgebend ist das Datum der Rechnung. Also müssten Sie die Rechnung erst im Frühling 2016 für das Steuerjahr 2015 angeben. Fraglich ist, ob in Ihrem Fall eine  krankheitsbedingte oder eine behinderungsbedingte Hörschädigung vorliegt.  Als behindert gilt ein Hörverlust im besser hörenden Ohr ab 41 Dezibel Hearing-Level. In diesem Fall sind die Kosten voll abzugsfähig. Bei weniger starkem Hörverlust können Sie die Auslagen für das Hörgerät als Krankheitskosten geltend machen, wobei nur Krankheitskosten abzugsfähig sind, die fünf Prozent des Reineinkommens übersteigen.

 

Erschienen in der BZ am 17. Februar 2015

Claude Chatelain