Help Point: Mässiger Vorteil des Konkursprivilegs

In hartnäckiger Regelmässigkeit wird in dieser Zeitung die Kapitalversicherung schlecht gemacht. Das finde ich nicht objektiv. Schliesslich haben gemischte Versicherungen grosse Vorteile, die bei Ihnen nie Erwähnung finden. Ich denke vorab an das Konkursprivileg oder an die Begünstigungsklausel. Wann schreiben Sie mal über diese Vorteile? A. B. in S.

Das Konkursprivileg, wie es tatsächlich im Versicherungsvertragsgesetz (VVG) verankert ist, wird oft als Argument für den Verkauf von gemischten Versicherungen bemüht. Einverstanden: In ganz bestimmten Fällen kann es durchaus sinnvoll sein, zur Absicherung der Familie eine gemischte Versicherung abzuschliessen. Gemischte Versicherungen enhalten ja einen Sparteil und einen Risikoschutz gegen Tod. Falls der Versicherungsnehmer die Vertragsdauer überlebt, wird bei Vertragsablauf das so genannte Erlebensfallkapital ausgezahlt.


Das Konkursprivileg laut Artikel 80 VVG besagt, dass der Versicherungsanspruch des Begünstigten der Zwangsvollstreckung nicht unterliegt. Wer Konkurs macht, wird also froh sein, wenn bei einer Versicherungsgesellschaft noch Guthaben liegen, auf die der Konkursverwalter keinen Zugriff hat. Das gilt insbesondere für Selbständigerwerbende und Inhaber von Einzelfirmen. Sie haften nicht nur mit dem Geschäftsvermögen, sondern auch mit ihrem Privatvermögen. Dank dem Konkursprivileg ist die Vorsorge der Familie nicht völlig im Eimer. Doch Achtung: Bedingung ist dabei, dass in der Lebensversicherung der Ehepartner oder die Nachkommen als begünstigte Personen auch aufgeführt sind. Wird hingegen der Konkubinatspartner begünstigt, ist das Konkursprivileg ausser Kraft. Dann fliesst der Rückkaufswert der Versicherung in die Konkursmasse.


Das Konkursprivileg lässt sich auch anders lösen


Es ist dennoch fraglich, allein wegen des Konkursprivilegs eine gemischte Versicherung mit einer langen Laufzeit abzuschliessen. «Wenn man sein Privatvermögen vor einem allfälligen Konkurs schützen will, gibt es bessere Lösungen als den Abschluss einer Kapitalversicherung», sagt Finanzplaner Patrick Liebi aus Wettingen. Er denkt zum Beispiel an die Gründung einer GmbH. Bei der Gesellschaft mit beschränkter Haftung haftet die Firma nur mit dem eingesetzten Kapital. Das Privatvermögen hingegen wird bei einem Konkurs nicht angetastet.

Neben dem Konkursprivileg nennen Versicherer auch die Begünstigungsklausel, um den Kunden eine gemischte Versicherung schmackhaft zu machen. Der letzte Wille wird durch das Erbrecht eingeschränkt. Eine Begünstigungsklausel bietet da einen Ausweg. Beispiel: Ein Mann will die Lebenspartnerin begünstigen, damit sie beim Tod finanziell nicht darben muss. Er hat noch Kinder aus erster Ehe. Mit dem Testament kann er nun verfügen, dass seine Partnerin einen Teil des Vermögens erhält - aber eben nur einen Teil. Je nach familiärer Situation beträgt die freie Quote bloss 25 Prozent des Vermögens. Dank der Begünstigungsklausel der Lebensversicherung kann der Mann sicherstellen, dass die Partnerin bei seinem Tod die vereinbarte Versicherungssumme ausgezahlt erhält.


Je nach familiärer Situation ist die Begünstigungsklausel in der Tat ein gutes Verkaufsargument. Allerdings gilt diese Klausel nicht nur bei gemischten Versicherungen. Sie gilt auch bei einer reinen Todesfallrisikoversicherung. Die reine Variante ohne Sparteil ist einer gemischten Versicherung in den meisten Fällen vorzuziehen.


Erschienen im CASH am 13. Juli 2006

Claude Chatelain