«Wir sehen die Zukunft beim Drive-Recorder»

«Leute entscheiden sich für den Drive-Recorder, wenn sie ihr Fahrverhalten verbessern wollen», sagt  Marcel Siegrist, Leiter Produkte Privatkunden bei Axa Winterthur.
«Leute entscheiden sich für den Drive-Recorder, wenn sie ihr Fahrverhalten verbessern wollen», sagt Marcel Siegrist, Leiter Produkte Privatkunden bei Axa Winterthur.

75 Prozent der bei Axa Winterthur versicherten Junglenker lassen  sich  im Auto einen Crash-Recorder oder einen Drive-Recorder einbauen.   Laut Marcel Siegrist, Leiter Produkte Privatkunden, wäre ein Rabatt bei über 25-Jährigen nicht gerechtfertigt.

Herr Siegrist, weshalb bekomme ich keinen Rabatt, wenn ich mir einen Crash-Recorder einbauen lasse?
Es ist statistisch erwiesen, dass vor allem Junglenker deutlich mehr Unfälle verursachen als Fahrzeuglenker von über 25 Jahren. Das spiegelt sich auch in den Prämien, indem junge Autofahrer höhere Autoversicherungsprämien zahlen müssen als ältere. Bei Leuten in Ihrem Alter würde sich das Fahrverhalten kaum verändern, wenn sie sich einen Crash-Recorder einbauen lassen. Bei Junglenkern hingegen schon.


Axa gewährt Junglenkern mit Crash-Recordern einen Rabatt von 15 Prozent. Ich wäre schon mit 5 Prozent zufrieden.
Der Hebel ist zu klein. Es wäre nicht gerechtfertigt, von einem 30-Jährigen eine höhere Prämie zu verlangen, nur um ihm dann einen Rabatt für die Installation des Crash-Recorders zu offerieren.  Bei der Einführung vor sieben Jahren offerierten wir den Crash-Recorder nur Junglenkern. Seit 2010 bieten wir den Crash-Recorder auch den über 25-Jährigen an,  freilich ohne Rabatt.


Ist der Crash-Recorder nicht vorab ein Marketinginstrument? Axa macht viel Werbung damit.
Wir haben sieben Jahre Erfahrung mit dem Crash-Recorder und wissen daher, dass Junglenker mit einem Crash-Recorder 13 Prozent weniger Schadenaufwendungen verursachen.


Wenn sich die Installation eines Crash-Recorders rechnet, müsste doch die Konkurrenz nachziehen.
Ich kann nicht für die Konkurrenz reden. Ich kenne ihre Gründe nicht, weshalb sie keine Crash-Recorder einbauen lassen.

"Wir haben vorläufig nicht die Absicht, auf den Crash-Recorder zu verzichten".
"Wir haben vorläufig nicht die Absicht, auf den Crash-Recorder zu verzichten".

Konkurrenten sagen, der Crash-Recorder sage nichts aus über das Fahrverhalten. Die Zukunft liege beim Fahrtenschreiber.
Auch wir sehen die Zukunft beim Fahrtenschreiber. Deshalb haben wir vor einem Jahr den Drive-Recorder eingeführt. Damit können wir uns ein noch besseres Bild über die Fahrweise und das Risikoverhalten von Junglenkern machen. Leute entscheiden sich für den Drive Recorder, wenn sie ihr Fahrverhalten verbessern wollen.


Ist demnach der Crash-Recorder ein Auslaufmodell?

So würde ich es nicht sagen. Wir haben vorläufig nicht die Absicht, auf dieses Angebot zu verzichten. Richtig ist aber, dass der Drive-Recorder deutlich mehr Möglichkeiten bietet. Nicht nur für uns, auch für den Kunden. Der Kunde kann aus seinem Fahrstil lernen. Fährt er von Zürich nach Bern, so kann er überprüfen, wo er gut und wo er weniger gut unterwegs war. Mit dem Drive-Recorder bieten wir dem Kunden eine Dienstleistung an, wie sie mit dem Crash-Recorder nicht möglich ist.


Es ist nicht einzusehen, weshalb sich ein Junglenker für einen Crash-Recorder entscheidet, wenn doch der Drive-Recorder besser ist und dabei erst noch höhere Rabatte gewährt werden.
Der Crash-Recorder ist schon lange auf dem Markt. Er ist bekannt, auch im Verkauf. Ein neues Produkt braucht immer seine Zeit. Ja, die Argumente sprechen für den Drive-Recorder, vor allem, weil der Kunde selber davon profitieren kann.


Wann führen Sie den Fahrtenschreiber auch für über 25-Jährige ein?
Das haben wir noch nicht entschieden. Neben der grundsätzlichen Frage, ob wir das Angebot ausweiten wollen, beschäftigen wir uns auch mit technischen Aspekten. Der Drive-Recorder lässt sich noch nicht in allen Fahrzeugtypen einbauen.


Der Drive-Recorder basiert auf dem Modell «Pay How You Drive». Liegt die Zukunft nicht beim Modell «Pay as You Drive», bei dem die Prämienhöhe aus der Menge und Art der Fahrzeugnutzung errechnet wird?
Das bezweifle ich. Ich glaube nicht, dass «Pay as You Drive» in naher Zukunft in der Schweiz eingeführt wird. Der Markt ist nicht reif dafür. Der grösste Teil der Kunden wünscht dies heute nicht.


Was heisst in naher Zukunft?
Sicher fünf Jahre oder mehr.

INFOTHEK

Seit sieben Jahren bietet Axa Winterthur Junglenkern bis 25 Jahren einen Rabatt von 15 Prozent, falls sie sich im Auto einen Crash-Recorder einbauen lassen. Das von der Axa bezahlte Gerät zeichnet während 30 Sekunden die Daten auf, die zur Rekonstruktion eines Unfallhergangs notwendig sind. Nun hat der Schweizer Ableger des französischen Versicherungs-riesen vor einem Jahr mit dem Drive Recorder ein verfeinertes Produkt lanciert. Ein Fahrtenschreiber, der nicht nur die Daten während eines Unfalls, sondern während der ganzen Fahrt aufzeichnet. «So können Sie Ihren Fahrstil online jederzeit einsehen und


auswerten», schreibt Axa im Produkt-beschrieb. Entscheidet sich ein Junglenker für einen solchen Drive-Recorder, so gewährt ihm Axa im ersten Jahr einen Rabatt von 20 Prozent. Danach beträgt die Prämien-reduktion je nach Fahrverhalten 15, 20 oder 25 Prozent. Drei von vier Junglenkern entscheiden sich heute für einen Crash-Recorder oder einen Drive-Recorder. Den Crash-Recorder können sich auch Axa-Kunden über 25 Jahren einbauen lassen. Der Drive-Recorder ist nur bis Alter 25 zu haben.


Erschienen in der BZ am 10. Februar 2015


Claude Chatelain