Fahrkosten: Abzugsfähig oder nicht?

Morgendliche Autofahrt zur Arbeit: Für welche Strecken lassen sich die Fahrkosten vom steuerbaren Einkommen abziehen? Wo ist das Pendeln mit dem öffentlichen Verkehr zumutbar?
Morgendliche Autofahrt zur Arbeit: Für welche Strecken lassen sich die Fahrkosten vom steuerbaren Einkommen abziehen? Wo ist das Pendeln mit dem öffentlichen Verkehr zumutbar?

Der Schnee fiel  heuer etwas spät. Dafür
landete die Steuererklärung pünktlich wie  immer im Briefkasten. Bis Mitte März sollte sie eingereicht sein.

Bis 7200 Franken konnte man bislang im Kanton Bern für Berufskosten in Abzug bringen. Nun kann diese Berufskosten-Gesamtpauschale für das Steuerjahr 2014 nicht mehr geltend gemacht werden, wie verschiedentlich zu lesen war (Ausgabe vom 20. Januar 2015). Der Kanton Bern erhofft sich dadurch Mehreinnahmen von 20 Millionen Franken.


Hans Martin Bleuer findet daran keinen Gefallen. Nicht weil er dadurch mehr Steuern zu bezahlen hat, sondern weil er einen grossen Mehraufwand für Steuerbehörde, Steuerzahler und Steuerberater befürchtet. Bleuer leitet die Niederlassung Grindelwald der Lehmann und Bacher Treuhand aus Meiringen.

Hans Martin Bleuer, Grindelwald.
Hans Martin Bleuer, Grindelwald.

Mit der Berufskosten-Gesamtpauschale von maximal 20 Prozent des Nettolohns oder eben 7200 Franken war es relativ einfach: Der weitaus grösste Teil der Steuerzahler blieb davon verschont, die einzelnen Posten aufzuführen, die man als Berufskosten geltend machen konnte. «Wir müssen davon ausgehen, dass es künftig zahlreiche Einsprachen geben wird, wenn die Veranlagungsbehörde aufgelistete Berufskosten nicht akzeptieren will», meint Bleuer.


Ist der öffentliche Verkehr zumutbar oder nicht?


Der diplomierte Steuerexperte denkt etwa an den Abzug für die Fahrkosten für das private Fahrzeug. Hier stellt sich die Frage, ob es aus Sicht der Steuerverwaltung nicht zumutbar wäre, den öffentlichen Verkehr statt den privaten Wagen zu benutzen. Über diese Frage musste sich das Bundesgericht wiederholt äussern.


Die Steuererklärung wird dadurch nicht einfacher gemacht. Besonders kompliziert sind auch all die Kinderabzüge. Das gilt vor allem für getrennte oder geschiedene Eltern. Der Versicherungsabzug, der Abzug für Ausbildungskosten sowie der Abzug für bescheidene Einkommen wird neu hälftig gewährt. Hier erübrigt sich meistens die Diskussion, ob Vater oder Mutter den Abzug geltend machen kann. Ansonsten sind die Abzugsmöglichkeiten derart vielfältig, dass sich die Eidgenössische Steuerverwaltung vor vier Jahren dazu veranlasst sah, ein 58-seitiges Kreisschreiben mit allen möglichen Konstellationen zu verfassen.


Der Steuerverwaltung des Kantons Bern ist dagegen zugutezuhalten, dass sie es geschafft hat, die wesentlichsten Punkte auf einem vierseitigen Merkblatt zusammenzufassen. Gemäss diesem Merkblatt 12 unterscheidet das Steuergesetz zehn verschiedene Kinderabzüge. 

Erschienen in der BZ am 10. Februar 2015

Claude Chatelain