Für Sunrise ging die Sonne auf

Prächtiges Börsendebüt von Sunrise: Die Aktie erfreute sich gestern einer hohen Nachfrage und schloss 11,7 Prozent über dem Emissionspreis.

Der Appetit kommt mit der Börsenhausse: Zwölf Unternehmen haben seit 2010 den Gang an die Schweizer Börse gewagt und deren Besitzer reich gemacht. Doch keines hat nur annähernd die Grösse der Telefongesellschaft Sunrise, die gestern ihr Börsendebüt hatte. Das Going-public von Sunrise gilt als grösstes seit November 2006. Damals ging der inzwischen pleitegegangene Raffineriebetreiber Petroplus an die Börse.


Schwacher Euro hindert nicht


Beinahe vermochte die Nationalbank den Eignern von Sunrise den Appetit zu verderben: Die Aufhebung des Euromindestkurses brachte die Kurse ins Purzeln. Freilich nicht so sehr, dass der britische Finanzinvestor CVC, der gut 90 Prozent der Sunrise-Aktien kontrollierte, den Börsengang verschieben musste. Zudem sind schweizerische Telefonunternehmen vom Eurokurs eher als Importeur denn als Exporteur betroffen und profitieren daher von der schwachen Einheitswährung. Nicht zufällig lag die Swisscom-Aktie am Tag der verhängnisvollen Ankündigung über die Aufhebung der Euromindestgrenze im Plus.


Gestern Abend schloss die Sunrise-Aktie bei 76 Franken und damit 11,7 Prozent über dem Emissionspreis von 68 Franken. Weil das Ausgabeangebot mehrfach überzeichnet wurde, hat CVC die Erstemission um 5 Millionen Aktien aufgestockt. Sunrise bezifferte die Einnahmen aus dem Börsengang auf 1,36 Milliarden Franken. Mit diesem Geld sollen vor allem Schulden abgebaut werden. Ein Grund für die grosse Nachfrage dürfte darin liegen, dass Sunrise ihre Aktien als Dividendenperle pries. Die Rendite soll 4,5 Prozent betragen. Damit kam der Telecomfirma die jüngste Entwicklung an den Finanzmärkten erst noch entgegen. Die Zinsen sinken gegen null; die Obligationen werfen kaum mehr Erträge ab, sodass Anleger mehr und mehr auf dividendenstarke Aktien setzen. Noch offen ist, ob die Nummer zwei im Schweizer Telefonmarkt ab dem zweiten Semester in den SMIM, dem Börsenindex der mittelgrossen Aktiengesellschaften aufgenommen wird. Er enthält die dreissig grössten Titel des Schweizer Aktienmarktes, die nicht schon im Bluechipindex SMI vertreten sind. Im SMIM befinden sich so etablierte Namen wie Baloise, Clariant, Ems-Chemie, Fischer, Galenica, Helvetia, Logitech, Meyer Burger, Schindler oder Sulzer. Die Schweizer Börse entscheidet jeweils Mitte Jahr, wie weit eine Aktie in den Index aufgenommen oder rausgeworfen wird. Das hängt vom Handelsvolumen und der Marktkapitalisierung ab. Letztere ergibt sich aus dem Börsenkurs multipliziert mit der Anzahl Aktien und entspricht somit dem Gesamtwert aller börsennotierten Aktien einer Aktiengesellschaft.


Die Bedeutung des Indexes


Die Zugehörigkeit zu einem Index wie dem SMI oder SMIM ist für eine Aktiengesellschaft von grosser Bedeutung, weil immer mehr Investoren eine passive Anlagestrategie verfolgen und damit nur Aktien eines entsprechenden Indexes kaufen. Für eine Investition in Sunrise spricht zudem, dass Anleger gut beraten sind, ihr Portefeuille breit zu streuen – und zwar nach Ländern und auch nach Branchen. Will man also in die krisenresistente Telecomindustrie der Schweiz investieren, gab es bisher neben Swisscom keine Alternative.


Erschienen in der BZ am 7. Februar 2015

Claude Chatelain