Der Staat holt sichs beim Berufsabzug

Die bisherige Darstellung der Veranlagungsverfügung war irreführend, unlogisch und rief wiederholt Reklamationen hervor. Das soll sich bessern. Schmerzlich dürfte dafür der wegfallende Berufskostenabzug sein.

Wenn die Steuerverwaltung die Eigenmietwerte erhöht, so schlägt das politische Wellen. Der Hauseigentümerverband des Kantons Bern protestierte postwendend, als der Steuerverwalter Bruno Knüsel am Freitag erklärte, die Eigenmietwerte um bis zu 22 Prozent zu erhöhen und damit zusätzliche 14,5 Millionen Franken in die Kantonskasse und 6 Millionen in die Gemeindekassen zu spülen (Ausgabe vom Samstag).

 

Erste Neuerung: Berufskostenpauschale

 

Diese Neuerung gilt ab Steuerjahr 2015 und wird deshalb erst in der Steuererklärung erfasst, die es 2016 auszufüllen gilt. Eine andere Neuerung schlug kaum politische Wellen, ist aber für die grosse Mehrheit der Bernerinnen und Berner relevanter als die punktuelle Erhöhung des Eigenmietwertes, nämlich die Abschaffung der Berufskosten-Gesamtpauschale. Bisher belief sich diese Pauschale auf 20 Prozent des Nettolohnes, maximal 7200 Franken. Mit der Steuererklärung, die dieser Tage verschickt wird, kann die Berufskosten-Gesamtpauschale nicht mehr geltend gemacht werden. Es können nur noch tatsächliche Berufskosten und Teilpauschalen etwa für Fahrkosten oder Verpflegungskosten abgezogen werden. Von dieser wegfallenden Abzugsmöglichkeit sind deutlich mehr Steuerzahler betroffen als vom erhöhten Eigenmietwert. Nämlich all jene, die keine tatsächlichen Berufskosten nachzuweisen vermögen. Nicht umsonst wird diese Neuerung 20 Millionen Franken in die Kantonskasse schwemmen.

 

Zweite Neuerung: Hälftiger Kinderabzug

 

Eine weitere Neuerung betrifft den Abzug bei volljährigen Kindern. Bei getrennt lebenden und somit getrennt veranlagten Eltern ist nicht immer einfach einzusehen, wer die Abzüge vornehmen darf. Gemeint sind der Versicherungsabzug, der Abzug für Ausbildungskosten oder der Abzug für bescheidene Einkommen. Neu werden der Einfachheit halber die Abzüge bei volljährigen Kindern getrennt lebender Eltern je hälftig gewährt. Das gilt auch für den Fall, in dem das volljährige Kind zum Beispiel in einer WG wohnt und nur vom einten Elternteil unterstützt wird.


Neu sind Lotteriegewinne bei der direkten Bundessteuer bis 1000 Franken steuerfrei. Bei der Gemeinde- und Kantonssteuer, die deutlich stärker zu Buche schlägt, beträgt die Freigrenze unverändert 5200 Franken. Eine weitere Neuerung betrifft die Darstellung der Veranlagungsverfügung. Auf den ersten Blick mag diese Errungenschaft kaum jemand vom Sockel zu stürzen. Doch die bisherige Darstellung war irreführend, unlogisch und rief wiederholt Reklamationen hervor.

 


Veranlagung und Abrechnung wird verständlicher gemacht

 

Irreführend sind zum Beispiel jene Fälle, in welchen die Veranlagungsbehörde in der Kolonne der deklarierten Abzüge eine Null einsetzt und den abzugsfähigen Betrag in der Kolonne der Korrekturen anbringt. Das sieht so aus, als sei der Abzug in der Selbstdeklaration vergessen gegangen. Insbesondere Steuerberater stören sich daran. Sie müssen dem Kunden erklären, dass sie den Abzug nicht vergessen hätten, dass das System der Veranlagung derart programmiert sei. Neu gibt es daher eine Kolonne für Anpassungen und eine für Korrekturen beziehungsweise Änderungen (siehe Bild). Bei den Anpassungen werden Pauschalen und maximal mögliche Abzüge erfasst. In der Spalte Korrekturen sind jene Änderungen ersichtlich, welche die Steuerverwaltung in ihrer Veranlagung vorgenommen hat. «Die Verfügung muss lesbar, verständlich und nachvollziehbar sein», erklärt Bruno Knüsel. «Die Optimierungsarbeiten waren sehr komplex, ergeben sich aus den 600 000 Steuererklärungen doch rund 1,2 Millionen unterschiedliche Verfügungen und Abrechnungen.» Es dürfte somit in Zukunft für Steuerzahler einfacher werden, die Veranlagungsverfügung zu kontrollieren.

 

Erschienen in der BZ am 20. Januar 2015

Claude Chatelain