Berner Steuerbehörde erhöht den Eigenmietwert

Die Steuerverwaltung erhöht für das Steuerjahr 2015 die Eigenmietwerte. Der Hauseigentümerverband erachtet das Vorgehen als gesetzeswidrig.

Haus- und Wohnungsbesitzer im Kanton Bern werden stärker zur Kasse gebeten. Die Eigenmietwerte steigen je nach Wohnlage bis zu 22 Prozent. Der Eigenmietwert ist so etwas wie ein fiktiver Mietertrag. Besitzer von Häusern oder Wohnungen müssen ihn als Einkommen versteuern. Am stärksten betroffen sind Eigenheimbesitzer in den Stadtberner Quartieren Lorraine und Breitenrain. Nur 143 der 356 Berner Gemeinden sind tangiert.

 

 

Letzte Anpassung war 1999

 

Einzelne Immobilienbesitzer wird die Erhöhung des Mietwertes schmerzen, zumal solche Anpassungen eher selten vorkommen. Letztmals sind die Mietwerte 1999 angepasst worden – und dies erst noch nach unten. Der Hauseigentümerverband des Kantons Bern wurde von dieser Meldung überrumpelt. Kurz vor Redaktionsschluss schrieb Sekretär Hans Bättig, dass sich der Hauseigentümerverband und seine 50'000 Mitglieder «mit aller Kraft gegen diesen ungerechtfertigten Raubzug auf die Kassen der Eigenheimbesitzer» wehren würden. Er stört sich daran, dass nicht auch die amtlichen Werte überprüft würden. «Gegen eine Hauptrevision, die früher alle 10 bis 15 Jahre stattfand, ist nichts einzuwenden», so Bättig. Aber dem Fiskus sei diese Arbeit offensichtlich zu mühsam geworden. «Deshalb nimmt er eine Abkürzung, die meines Erachtens gesetzeswidrig ist.»

 

So oder so: Der Kanton Bern wird sich mit der Erhöhung der Eigenmietwerte nicht sanieren können. Der Mehrertrag für den Kanton beträgt 14,5 Millionen Franken – und dies bei einem Gesamtertrag von gut 10 Milliarden Franken. Die betroffenen Gemeinden erhalten 6 Millionen Franken.

 

«Ziel der Mietwertanpassung ist die Wiederherstellung der steuerlichen Gleichbehandlung gegenüber Mietern», erklärte gestern Bruno Knüsel, der Steuerverwalter des Kantons Bern. Für die Steuererklärungen, die in den kommenden Wochen in die Haushalte flattern, ist die Anpassung noch nicht relevant. Sie gilt erst für das Steuerjahr 2015 und wird in der Steuererklärung erfasst, welche im Frühling 2016 einzureichen ist. Nach Definition müsste der Eigenmietwert jenem Betrag entsprechen, den ein Mieter für die betreffende Wohnung oder für das Einfamilienhaus bezahlen müsste. Effektiv liegt aber der Mietwert deutlich darunter. Daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern. Gemäss Berner Steuergesetz sind Eigenmietwerte unter Berücksichtigung von Eigentumsbildung und Selbstvorsorge massvoll festzusetzen. So darf das Gros aller Eigenmietwerte nicht unter 60 Prozent des Marktes zu stehen kommen. Der Bund ist strenger. Hier liegt die Grenze bei 70 Prozent.

 

Kürzung bei Berufspauschale

 

Änderungen gibt es auch für die aktuelle Steuererklärung, die bis zum 15. März 2015 einzureichen ist. So gibt es keine Berufskosten-Gesamtpauschale mehr. Neu können nur noch die effektiven Berufskosten beziehungsweise Teilpauschalen in Abzug gebracht werden. Teilpauschalen gibt es etwa für Fahr- oder Verpflegungskosten. Diese auf den ersten Blick geringfügige Änderung geht ins Geld. Das erkennt man daran, dass der Kanton damit einen zusätzlichen Steuerertrag von 20 Millionen Franken generieren wird, mehr noch als die angekündigte Erhöhung der Eigenmietwerte. Bisher belief sich die Berufskosten-Gesamtpauschale auf 20 Prozent des Nettolohnes, maximal 7200 Franken.

        

 

SELBSTANZEIGE

Seit 2010 können sich Steuerhinterzieher selber anzeigen. Sie brauchen bloss die hinterzogenen Steuern zu entrichten und müssen dafür keine Busse zahlen. Hatten sich 2010 noch 540 Personen selber angezeigt, waren es im vergangenen Jahr bereits 840 Personen. Damit haben sich seit Einführung der straflosen Selbstanzeige 2950 Personen gemeldet und insgesamt 83,8 Millionen Franken in die Kantonskasse nachbezahlt.

Die letztjährigen 840 Selbstanzeigen sind ein Rekord. Die höchste Summe, die ein Steuerzahler 2014 nachzahlen musste, beträgt 1,1 Millionen Franken. Peanuts im Vergleich zu den 12,4 Millionen, die ein Steuerhinterzieher 2013 hatte begleichen müssen.

 

Erschienen in der BZ am 17. Januar 2015


Claude Chatelain