Neue Bankgebühren in Sicht

In absehbarer Zeit werden gewisse Banken nicht nur bei konventionellen Wertschriften, sondern auch bei Vorsorgefonds des Typs 3a eine Depotgebühr verlangen. Die Berner Kantonalbank tut dies heute schon. Selbst bei leeren Depots.

Nicht mehr so goldig: Neue Gebühren für die Säule 3a.
Nicht mehr so goldig: Neue Gebühren für die Säule 3a.

Kauft man Vorsorgefonds des Typus 3a, wird die Bank dazu ein Depot errichten. Was viele nicht wissen: Die Berner Kantonalbank (BEKB) verlangt dafür eine Depotgebühr von 0,45 Prozent des  Depotvolumens, mindestens 50 Franken pro Jahr. Dies bestätigt BEKB-Sprecher Alex Josty.


«Für uns von der Kantonalbank ist Erfolg ein zufriedener Kunde», hört man im Fernsehspot der Kantonalbanken. Einen Kunden zufriedenstellen wird man jedoch kaum, wenn man ihm selbst für ein leeres 3a-Depot eine Gebühr in Rechnung stellt, nachdem er sämtliche Vorsorgefonds verkauft hatte. So geschehen bei einem Kunden der BEKB.


Gebühr für ein leeres Depot


 Darauf angesprochen, erklärt Alex Josty: «Es ist weder im Sinne der Kunden noch der Bank, leere Depots zu führen. Kunden, welche nur noch über ein leeres Depot verfügen, werden vor einer allfälligen Belastung auf die Minimalgebühr von  25 Franken pro Semester aufmerksam gemacht. Ziel ist es hier, nicht mehr benötigte Depots ohne Belastung von Gebühren zu saldieren.»
Besagter BEKB-Kunde machte eine andere Erfahrung. Er fragte seine Beraterin, weshalb er eine Depotgebühr bezahlen müsse, wenn er doch gar keine Vorsorgefonds mehr besitze. Die schriftliche Antwort der Berner Kantonalbank: «Die Depotgebühren werden zwar anteilsmässig nach dem Depotvolumen berechnet (0,45 Prozent des Depotwerts), die Minimalgebühr von 50 Franken fällt aber auch bei leeren Depots an. Soll ich das Sparen-3a-Depot schliessen, damit Sie diese Gebühr zukünftig nicht mehr zahlen?»

 
Ob AEK Bank 1826, Credit Suisse, Migros-Bank, Raiffeisen, UBS  oder Valiant-Bank – sie alle verlangen keine Gebühr auf Vorsorgedepots. Nur die Bank Coop erhebt  ebenfalls Gebühren für die Verwaltung eines Vorsorgedepots. Sie betragen   0,5  Prozent auf Basis des durchschnittlichen Monatsendwertes des Depotvolumens. Auf diese Pauschalgebühr fallen zusätzlich erst noch 8 Prozent  Mehrwertsteuer an.


BEKB findet Nachahmer


Wie es aussieht, werden die Berner Kantonalbank und die Bank Coop bald nicht mehr die Einzigen sein, die auf den Depots von 3a-Fonds Gebühren erheben.  Bei der Privor-Stiftung 3.Säule wie auch bei der Rendita-Vorsorgestiftung sind Überlegungen über neue Gebührenmodelle im Gang. Offen ist, ob die Regionalbanken, die bei diesen Vorsorgestiftungen angeschlossen sind, die vorgeschlagene Gebührenordnung zu übernehmen gedenken. Bei der AEK Bank 1826 in Thun ist zu erfahren, dass sie keine Absicht hegt, auf Vorsorgedepots Gebühren einzuführen.


Die Banken rechtfertigen die neue Gebührenpolitik mit dem Wegfall von Retrozessionen. Solche Kick-backs sind seit einem Bundesgerichtsurteil vom November 2012 noch umstrittener als zuvor.  Retros sind eine Art Provision, die eine Bank von den Fondsgesellschaften kassiert und die eigentlich dem Kunden gutgeschrieben werden müssten.   Dies wiederum ist mit einem grossen Aufwand verbunden, weshalb mehr und mehr Banken auf retrofreie Anlagefonds setzen.  Damit entgehen ihnen Provisionseinnahmen, die sie nun mit der Depotgebühr wieder hereinholen möchten.


3a-Fonds kauft, wer sich mit den mickrigen Zinsen auf den 3a-Konti nicht zufriedengibt. Solche Mischfonds enthalten Obligationen und je nach Typus auch Aktien bis maximal 50 Prozent des Vermögens. Freilich braucht es eine gehörige Portion Optimismus,  um im heutigen Börsenumfeld  mit solchen 3a-Fonds  eine ansehnliche Rendite zu erwarten. Aktien– wie auch Obligationenkurse segeln auf Rekordhöhen. Der Absturz ist programmiert. Nur der Zeitpunkt ist ungewiss.

 
Sobald die Zinsen wieder auf ein gesundes Niveau ansteigen, werden die Obligationenkurse unter Druck geraten. Und bei Aktien besteht die Absturzgefahr so oder so. Deshalb sollte man an solche  Mischfonds nicht zu hohe Erwartungen knüpfen. Das gilt insbesondere für Leute, deren Pensionierung nicht in allzu weiter Ferne liegt. Das Risiko wäre zu gross, dass man beim Bezug pro Fondsanteil weniger erhält, als man eben erst einbezahlt hat.




INFOTHEK

Was man in die Säule 3a überweist, kann man vom steuerbaren Einkommen in Abzug bringen. Für Angestellte mit einer Pensionskasse beträgt der maximale abzugsfähige Betrag im laufenden Jahr 6768 Franken. Selbstständigerwerbende und Arbeitnehmer ohne Pensionskasse können bis zu 20 Prozent des Reineinkommens abziehen, maximal 33'840 Franken. Was man sonst noch zum Sparen 3a wissen muss:

  • Mit dem Geld auf dem Konto 3a kann man in ausgewählte Vorsorgefonds investieren. Sie unterstehen strengen Regulierungen. Der Aktienanteil darf höchstens 50 Prozent betragen. Die meisten Banken führen drei bis vier solche Fonds mit unterschiedlich hohen Aktienquoten im Angebot.
  • Das Geld auf dem Konto 3a ist gebunden. Es kann erst fünf Jahre vor dem ordentlichen AHV-Alter bezogen werden. Drei Ausnahmen: der Gang in die Selbstständigkeit, die Finanzierung von selbst bewohntem Eigentum, die Auswanderung.
  • Beim Bezug der Säule-3a-Gelder ist eine einmalige Steuer zu entrichten. Diese fällt normalerweise weniger ins  Gewicht als der Abzug vom steuerbaren Einkommen.


Erschienen in der BZ vom 13. Januar 2015


Claude Chatelain