Vierte Säule: Vom Übergewicht

Heute wollen wir uns mit dem Übergewicht befassen. Ich meine nicht das Übergewicht, das wir uns über die Festtage zugelegt haben. Ich meine das Übergewicht von Aktien oder Obligationen. Wertschriften werden laufend übergewichtet, untergewichtet oder neutral gewichtet. Das ist ihr Schicksal.

Derzeit werden Aktien eher übergewichtet. Das heisst, dass Experten im heutigen Marktumfeld den Aktien ein grösseres Gewinnpotenzial zutrauen als Obligationen. Und es heisst, dass man den in der Anlagestrategie definierten Aktienanteil etwas nach oben schrauben sollte.


Ich werde nicht selten gefragt, wie ich es mit dem Übergewichten von Aktien halte. Um ehrlich zu sein: Bei mir gibt es nichts über-, unter- oder neutral zu gewichten. Denn ich folge keiner  Anlagestrategie. Ich habe keine Prozentzahl und auch keine  Bandbreite festgelegt, wie hoch der Aktienanteil in meinem Fall sein darf.


Zudem kann ich Aktien gegenüber Obligationen auch deshalb nicht  übergewichten, weil ich gar keine Obligationen besitze und vom Kauf solcher Papiere abrate. Ich habe nur Aktienfonds, Immobilienfonds und Cash. Ich sehe im heutigen Umfeld keinen Grund, in Obligationen zu investieren. Die mündelsicheren Papiere werfen kaum Zinsen ab. Und wenn das Zinsniveau wieder eine vernünftige Höhe erreicht, werden die ObliKurse in die Tiefe sacken. Ein Aufwärtspotenzial, wie das bei Aktien nicht auszuschliessen ist, kann ich bei Obligationen nicht ausmachen.


Eine Redewendung besagt: Mit Aktien gut essen, mit Obligationen gut schlafen. Auch damit weiss ich wenig anzufangen. Bei mir heisst es: Mit Aktien gut essen, mit Cash gut schlafen. Und sobald die Aktienkurse in die Tiefe sausen, was sie irgendeinmal tun werden, werde ich mit dem Geld auf dem Konto zuschlagen. Frei nach dem Motto: Kaufe in der Baisse; verkaufe in der Hausse.


Deshalb brauche ich über das Übergewicht von Aktien keine Gedanken zu verschwenden. Das andere Übergewicht, eben jenes von den Festtagen. Na ja, lassen wir das.


Erschienen in der BZ am 6. Januar 2015

Claude Chatelain