Wie Swica für die Prävention einsteht

«Wellnessferien für Swica-Kunden» - im Dezember wurde das Spezialangebot lanciert und es scheint gut anzukommen. Für die Swica eine Gelegenheit, sich im Bereich der Prävention zu profilieren.

Die Swica gehört zu jenen Kranken- und Unfallversicherern, die sich für die Prävention einsetzen. Firmensprecherin Claudia Kraaz bezeichnet ihre Organisation gar als Vorreiterin dieses Gedankens. Ein äusseres Merkmal dieser Strategie zeigt sich auch im Namen: Swica nennt sich nicht Krankenkasse, sondern Gesundheitsorganisation.


Fitness als Prävention


Die populärste Art der Gesundheitsvorsorge ist der Besuch eines Fitness-Clubs. Swica bezahlt ihren Kundinnen und Kunden bis zu 300 Franken pro Jahr, falls regelmässig ein solcher Club besucht wird. Das Fitness-Studio muss allerdings bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Dazu jedoch später.

Wer neben dem Fitness-Club auch noch einen Ernährungskurs besucht, wird von der Winterthurer Gesundheitsorganisation auch dafür belohnt und erhält unter Umständen noch zusätzliche 200 Franken zurückbezahlt. Jeder Versicherte hat pro Jahr insgesamt 500 Franken für Präventionmassnahmen zugute, maximal 300 Franken pro Massnahme.


Wellness-Ferien


Auch Wellnessferien sind eine anerkannte Form der Prävention. Die Swica geht allerdings nicht soweit, auch solche Ferienarrangements zu subventionieren. Dafür aber ist sie mit Schweiz Tourismus eine Marketingkooperation eingegangen. Buchen Swica-Versicherte in einem von 39 Wellness-Hotels ein Wochenarrangement, kommen sie in den Genuss einer Reduktion von 150 Franken. Noch hat die Hauptsaison nicht angefangen, dennoch sind nach Angaben von Claudia Kraaz bereits über 5100 Logiernächte registriert worden, die auf das Konto dieses Spezialangebotes gehen. Swica rechnet mit insgesamt 20'000 Logiernächten.


Wer zahlt, befiehlt


Übrigens: Es gibt zwei Arten von Fitness-Clubs. Solche mit und solche ohne Gütesiegel der Firma Qualitop. Nur wer punkto Qualität der Geräte und Betreuung bestimmte Standards zu genügen vermag, erhält das Plazet der Kreuzlinger Firma, die den Krankenversicherern Swica, Helsana, Konkordia und Wincare gehört. Diese zahlen nur jenen Kundinnen und Kunden eine Entschädigung an ihr Abonnement, wenn der betreffende Club den Qualitätstest von Qualitop gut besteht.

Das Ganze hat einen Haken: Nicht jeder professionell betreute Fitness-Club erhält das begehrte Gütesiegel und damit zusätzliche Kundinnnen und Kunden. Nur wer 2400 bis 3500 Franken auf den Tisch legt, kommt in die Kränze.


TST und Time-Out


Für den TST an der Seilerstrasse in Bern, der dem Stadtturnverein Bern (STB) gehört, sind die Kosten für die Qualitäts-prüfung zu hoch. Ein Pappenstiel sind hingegen diese paar Franken für das «Time-Out» in Ostermundigen, welches der Migros gehört. Dieses Fitness-Center kann es sich sogar leisten, seine Pforten volle sieben Wochen zu schliessen - vom 4. Juli bis zum 22. August. Unter anderem, um die Nasszone komplett zu erneuern.


Fragt sich, ob die Krankenversicherer die unterstützungswürdigen Fitness-Clubs subventionieren. Wer die Ratschläge von Physiotherapeutinnen ernst nimmt, wird sich keinen Trainingsunterbruch von sieben Wochen leisten. Immerhin: Die Migros zeigt sich grosszügig: Kartenbesitzer können während diesen sieben Wochen das Hallenbad und Fitnesscenter in Oberhofen benutzen. Was sind schon 80 Kilometer hin und zurück für die heutige mobile Gesellschaft?


PS: Was nicht Thema dieser Geschichte, aber trotzdem bemerkenswert ist: Das «Time-Out» kommt Kartenbesitzern noch in einem weiteren Punkt entgegen: Wegen der Schliessung wird das Abo um vier Wochen verlängert ... ·


Erschienen in der BZ am 4. Juni 1999


Claude Chatelain