Börsenspiel 2015

Nestlé, Roche und Novartis sind die Favoriten für 2015. Die 5 Expertinnen und 9 Experten von Banken im Kanton Bern scheinen demnach für 2015 nicht sonderlich optimistisch zu sein.

10 von 14 Expertinnen und Experten tippten vor Jahresfrist auf ABB. Wer dieser Empfehlung Folge leistete, war schlecht beraten: Die Aktie des Technologiekonzerns verlor im ablaufenden Jahr 9 Prozent. Einige Experten setzten auf Zürich. Dieser Tipp traf indessen ins Schwarze: plus 22 Prozent.


Auf welche Titel setzen die 5 Frauen und 9 Männer im aktuellen Börsenspiel? Nestlé kommt auf sieben, Roche und Novartis erreichen je sechs Nennungen. Das ist vielsagend: Es sind dies die drei defensivsten Titel der Schweizer Börse. Die Experten gehen offenbar auf Nummer sicher. Auf defensive Aktien setzen jene Anleger, welche mit einem generellen Rückgang rechnen, auch wenn sie das so nicht sagen würden. Dreht die Konjunktur nach unten, werden trotzdem Nahrungsmittel und Pharmazeutika gekauft.


Statt von Aktientipps sprechen wir hier von einem Börsenspiel. So können wir mit gutem Gewissen in zwölf Monaten abrechnen und eine Rangliste erstellen. Ein weniger gutes Gewissen müsste man haben, wenn man die Empfehlung eines Aktienkaufs bereits nach einem Jahr würdigt. Aktien sind eine langfristige Anlage. Punktlandungen auf ein Jahr hinaus haben den Charakter einer Wette statt einer fundierten Analyse. Und wenn ABB im ablaufenden Jahr unterdurchschnittlich abgeschnitten hatte, so sorgt das im Börsenspiel zwar für eine schlechte Note. Ob aber die Empfehlung wirklich daneben war. weiss man erst in ein paar Jahren.   


Erschienen in der BZ am 29. Dezember 2014

Claude Chatelain