Vierte Säule: Wie der Raiffeisenchef die Konkurrenz hereinlegte

Pierin Vincenz wurde von über 3000 «Cash»-Lesern zum besten Bank-CEO der Schweiz erkoren.
Pierin Vincenz wurde von über 3000 «Cash»-Lesern zum besten Bank-CEO der Schweiz erkoren.

Die Geschichte geht so: Die Banken, welche allenfalls US-Steuerrecht gebrochen haben, mussten bis Ende 2013 der Finanzmarktaufsicht (Finma) mitteilen, ob sie sich schuldig bekennen. Etliche Institute wie die Berner Kantonalbank, die Migros-Bank, Postfinance, die Valiant-Bank und viele mehr taten dies, obschon sie vermutlich gar nichts verbrochen haben. 

 

 

 

Sie sagten sich: lieber die unschöne Sache mit einer Busse hinter sich bringen, statt das Risiko einer Klage einzugehen. Im US-Steuerprogramm gehören diese Banken der Kategorie 2 an.

 

Anfänglich liess auch Pierin Vincenz durchblicken, dass sich Raiffeisen für die Kategorie 2 entscheiden werde. Viele Banken sagten sich daher: «Wenn sich sogar die ländlichen Raiffeisen-Genossenschaften schuldig bekennen, müssen wir das wohl auch tun.» Doch Vincenz hatte gar nie daran gedacht, seine Bankengruppe als schuldig zu bekennen. Er liess die Frist ablaufen. Somit ist Raiffeisen in der Kategorie 3. Diese Banken sollten von einer Busse verschont bleiben.

 

Der Raffeisen-Chef sagte sich, wenn sich möglichst viele Banken für Kategorie 2 anmelden, bleiben die anderen unbehelligt. Denn die US-Justiz ist darauf erpicht, dass sich möglichst viele Institute schuldig bekennen. Damit können die Amerikaner die Schweizer Banken mit einer tüchtigen Busse belegen und auf einfachstem Weg zu Geld kommen. Sofern ein respektabler Betrag zusammenkommt, glaubt Vincenz, werden die Amis davon absehen, weitere Banken zu verfolgen. Die Raiffeisenbanken sind fein raus.

 

Pierin Vincenz ist kürzlich von über 3000 «Cash»-Lesern zum besten Bank-CEO der Schweiz erkoren worden. Weshalb der Bündner zu dieser Ehre kommt, entzieht sich meiner Kenntnis. Klar ist mir aber, dass Vincenz mit dem US-Steuerprogramm einen Husarenstreich vollbracht hat. Das könnte ein Grund sein, den Raiffeisen-Chef zum CEO des Jahres zu küren.

 

Erschienen in der BZ am 22. Dezember 2014

Claude Chatelain