Kommentar: Das Hamstern von Gold ist das falsche Rezept

Selbst bei den grössten Abstimmungsschlappen finden die Verlierer eines Volksbegehrens Argumente, weshalb ihre Initiative eine gute Sache war. Der St. Galler SVP-Nationalrat Lukas Reimann macht als Präsident des Initiativkomitees keine Ausnahme.

«Wir konnten ein Thema aufs Tapet bringen, das bisher niemand beachtete», sagte Reimann gestern im Schweizer Fernsehen. Die Schweiz sei auf Gedeih und Verderb vom Euro abhängig. Damit kritisierte Reimann die Nationalbank, weil sie die Bilanzsumme aufbläht, um mit grossen Stützungskäufen den Eurokurs nicht unter 1.20 Franken fallen zu lassen. Denn hätte das Schweizervolk der Goldinitiative zugestimmt, wäre der Handlungsspielraum der Nationalbank derart eingeschränkt worden, dass sie ihren geldpolitischen Auftrag womöglich nicht mehr hätte ausführen können.

Man muss freilich wissen, dass die massiven Stützungskäufe der Nationalbank noch gar kein Thema waren, als sich Reimann und seine Mitstreiter auf Unterschriftenjagd begaben. Im Nachhinein den Anschein zu erwecken, man habe die Initiative lanciert, um eine Debatte über Sinn und Unsinn von Stützungskäufen loszutreten, ist darum ziemlich unverfroren.

Weltweit pumpen Zentralbanken Milliarden in den Kreislauf und blähen ihre Bilanzsummen auf. Da kann man sich tatsächlich fragen, ob das gut kommt. Sollten Experten wider Erwarten die Meinung vertreten, die Nationalbank müsste ihre Stützungskäufe abbrechen und die Bilanzsumme herunterfahren, so wäre das Hamstern von zig Tonnen Gold, die man nie mehr verkaufen dürfte, definitiv das falsche Rezept.


Erschienen in der BZ am 1. Dezember 2014

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Claude Chatelain