Warum man Heu eben doch mit Gold vergleichen kann

So rabiat wie diese Frau das Heu wollen die Initianten der Goldinitiative das Edelmetall verteidigen und es selbst im Notfall nicht verkaufen.
So rabiat wie diese Frau das Heu wollen die Initianten der Goldinitiative das Edelmetall verteidigen und es selbst im Notfall nicht verkaufen.

Über den Abstimmungsversand der Goldinitianten, welcher mit ausländischem Geld finanziert wurde. Und über SVP-Nationalrat Hansruedi Wandfluh, der  die Unverkäuflichkeit des Goldes mit dem Heu im Schober vergleicht, das man selbst in der Not nicht brauchen darf.

«Wie konnten wir nur so kurzsichtig sein?! 1550 Tonnen der damals vorhanden 2590 Tonnen hat die Nationalbank bereits zu Tiefstpreisen verschleudert». Das schreiben die Befürworter der Goldinitiative in einem Abstimmungsversand. Was heisst hier Tiefstpreise? Am 1. Januar 2000 bewertete die Nationalbank ihren Goldbestand von 2590 Tonnen zum damaligen Marktwert. In den darauf folgenden  Jahren stieg der Goldpreis an, die Nationalbank verkaufte sukzessive 1300 Tonnen und erzielte damit  einen Gewinn von  27,7 Milliarden Franken. Soviel zu den Tiefstspreisen.

Wie Wertschriften ist auch Gold erheblichen Preisschwankungen unterworfen. Und wie bei anderen Finanzanlagen lässt sich die Kursentwicklung auch beim Gold nicht vorhersagen. Sind die Marktteilnehmer der Meinung, der Goldkurs werde steigen, so kaufen sie Gold.  Das treibt den Preis nach oben – und zwar bis auf eine Höhe, bei der die Akteure der Meinung sind, der Preis werde nicht weiter steigen. Aufgrund dieses Marktmechanismus ist der Goldpreis grossen Schwankungen unterworfen. So schreibt der Bundesrat in seiner Botschaft zur Goldinitiative: «Vom letzten Höchstwert im September 2012 bis Ende September 2013 ist der Kilopreis des Goldes von rund 53'400 auf knapp 41 000 Franken gesunken, was für die Goldreserven der SNB einen Verlust von rund 13 Milliarden Franken darstellt». Soviel zur Stabilität des Goldpreises.

Und überhaupt: Gemäss den Initianten kann der Preis des Goldes gar keine Rolle spielen. Im Initiativtext steht: «Die Goldreserven der Schweizerischen Nationalbank sind unverkäuflich». Und der Sanktgaller SVP-Nationalrat Lukas Reimann sagt im genannten Abstimmungsversand, das Gold sei «unveräusserliches Tafelsilber». Wenn ein Gut  nicht verkauft werden kann, so hat es keinen Preis. Soviel zum Tafelsilber, das selbst in der Not nicht versilbert werden darf.

«Nur mit genügend Gold im Rücken ist die Schweizerische Nationalbank nicht erpressbar», schreiben die Initianten  im genannten Pamphlet. Kein Wort darüber, wer die teure Kampagne  finanziert. Mehrere Worte darüber standen dafür in der NZZ: Ein gewisser Egon von Greyerz sammle  für die Initianten Geld. Dies vor allem bei ausländischen Spekulanten, denn der  schwedisch-schweizerische Doppelbürger ist ein professioneller Goldhändler.  «Das weltumspannende Fundraising für die Goldinitiative kontrastiert insofern mit der schweizerischen Realität, als hier der Aktion für eine unabhängige und neutrale Schweiz (Auns) eine federführende Rolle zukommt», schreibt die NZZ. Soviel zur Frage, wer wohl genügend Gold im Rücken und daher erpressbar ist.

An der kantonalbernischen Delegiertenversammlung in Unterlangenegg hielt ein Delegierter  ein Plädoyer für den Goldstandard, wie er einst Gültigkeit hatte. Ein anderer meinte, man müsse der Nationalbank auf die Finger schauen. Das habe schon die Affäre Hildebrand gezeigt. Soviel zum wahren Anliegen einiger Befürworter.

Den ländlichen Delegierten der SVP steht das Heu womöglich näher als das Gold. Das führte SVP-Nationalrat Hansruedi Wandfluh zu einem treffenden Vergleich. Für ihn ist die Unverkäuflichkeit des Goldes ein Killerargument: «Stellen Sie sich vor», sagte er den Delegierten: «Sie würden in einem separaten Schober Heu lagern». Sie dürften aber das Heu nicht brauchen. Selbst wenn die Kühe im Stall verenden. Soviel zum Killerargument der Unverkäuflichkeit.

Der Vergleich zwischen Heu und Gold sei daneben, meinte ein Delegierter. Der Vorteil des Goldes liege darin, dass es beständig und haltbar sei. Heu könne man nicht so lange lagern wie Gold. Der Beobachter am Medientisch konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, dass besagter Delegierte den durchaus treffenden Vergleich des Nationalrats aus Frutigen nicht verstanden hat. Hansruedi Wandfluh sprach von der Unverkäuflichkeit, nicht von der Haltbarkeit. Soviel zur Frage, wer das Heu auf welcher Bühne hat.

Ulrich Schlüer sagte in der «Arena», der Politshow des Schweizer Fernsehens: «Das Gold ist kein Notgroschen», so der Zürcher SVP-Nationalrat wörtlich. Der Aargauer SVP-Nationalrat Luzi Stamm, wie Schlüer im Vorstand des Pro-Komitees, sagte in der Sommersession  wörtlich: «Gold kann im aller schlimmsten Fall auch zum Notgroschen werden». Was jetzt?

 

Erschienen in der BZ am 17. November 2014

Claude Chatelain