Welche Prämie gilt für Wochenaufenthalter?

Monika Gerber, Fairsicherungsberatung.
Monika Gerber, Fairsicherungsberatung.

Das Krankenkassenwesen in der Schweiz ist und bleibt kompliziert. Was für Fragen stellten Leserinnen und Leser an der Hotline von letzter Woche? Eine Auswahl.

 

1. Mein Sohn ist Wochenaufenthalter. Welche Prämie ist für ihn massgebend? Jene am Studienort?
Nein, jene am offiziellen Wohnort. Man muss sich dort versichern, wo die Schriften hinterlegt sind. Als Hausarzt oder HMO-Praxis kann Ihr Sohn einen Arzt oder eine Praxis am Wohnort wählen, sofern diese bei der Krankenkasse auf der Liste der wählbaren Ärzte und Praxen sind. Achtung: Bei einem Spitalaufenthalt muss man ein Spital im Wohnsitzkanton wählen.


2. Ich habe mir bei einem Sturz die Zähne eingeschlagen. Die Grundversicherung hat mir die Zahnkorrektur bezahlt. Doch das Bleichen der Zähne, das jährlich zu wiederholen ist, will sie nicht bezahlen.
Das erstaunt: Die Frage ist, ob das Bleichen medizinisch notwendig ist oder als ästhetischer Eingriff gilt. Wir sind der Meinung, dass die Grundversicherung die Kosten für das Bleichen übernehmen muss. Es kommt halt auch immer darauf an, wie der Zahnarzt die Behandlung deklariert.

Michael Gäumann, VZ.
Michael Gäumann, VZ.

3. Ist Komplementärmedizin jetzt eigentlich in der Grundversicherung gedeckt oder immer noch nicht?
Es gibt über hundert anerkannte komplementärmedizinische Therapien. Versichert sind in der Grundversicherung nur anthroposophische Medizin, Homöopathie, Neuraltherapie, Phytotherapie und Traditionelle Chinesische Medizin. Obwohl sich der Souverän für die Aufnahme der Alternativmedizin in der Grundversicherung ausgesprochen hatte, ist die Deckung der genannten Behandlungsmethoden bis Ende 2017 befristet. Bis dann sollte aber das Parlament Massnahmen beschlossen haben, wie die Komplementärmedizin in der obligatorischen Grundversicherung berücksichtigt werden soll. Wichtig ist noch, hinzuzufügen, dass komplementärmedizinische Leistungen nur mit einer Verordnung eines Arztes vergütet werden.

4. Brauche ich die Spitalkostenzusatzversicherung Allgemeine Abteilung ganze Schweiz?
Darüber scheint eine grosse Unsicherheit zu herrschen. Sie sind schon die fünfte Person, die uns diese Frage stellt. Im Grundsatz gilt: Wer ein Spital im Wohnkanton wählt, braucht diese Deckung nicht. Sinnvoll kann diese Versicherung allenfalls für Solothurner sein, wenn sie für eine Operation lieber in einem Spital im Kanton Bern liegen. Zudem muss man wissen, dass diese Versicherung häufig noch andere Risiken versichern, etwa Badekuren.

Eva Schneider, Fairsicherungsberatung.
Eva Schneider, Fairsicherungsberatung.

5. Die KPT erhöht bei mir die Prämie um 60 Franken pro Monat. Muss ich das akzeptieren?
Nein, das müssen Sie nicht. Sie können noch bis Ende November die Grundversicherung wechseln. Das ist ein Vorteil unserer Krankenkassenvielfalt, dass man den Anbieter wechseln kann, wenn man mit der Kasse unzufrieden ist. Wobei man wissen muss, dass die KPT im Kanton Bern in den letzten Jahren unterdurchschnittliche Prämienerhöhungen durchführte und jetzt trotz dem überdurchschnittlichen Prämienanstieg immer noch zu den Günstigsten zählt.

6. Ich wohne in Deutschland und arbeite in der Schweiz. Ist es richtig, dass ich mich in der Schweiz gegen Krankheit versichern kann?
Ja, Grenzgänger können sich in der Schweiz gegen Krankheit versichern lassen, wobei nicht jede Kasse entsprechende Angebote führt. Zudem ist wichtig, zu wissen, dass die Prämien unter Umständen deutlich höher sind als für Schweizerinnen und Schweizer. Dafür deckt die Kasse nicht nur die allfälligen Arzt- und Spitalkosten in der Schweiz, sondern auch die in Deutschland anfallenden Krankheitskosten.

Nadine Marrer, VZ.
Nadine Marrer, VZ.

7. Ich bin älteren Jahrgangs und habe kein Internet. Wie kann ich mich schlaumachen, wo ich am wenigsten Prämien zahle?
Sie können telefonisch beim VZ Vermögenszentrum einen Talon bestellen. Dann füllen Sie den Talon aus, schicken ihn dem VZ, und Sie erhalten danach den Prämienvergleich schriftlich zugestellt.

8. Weil ich 64 geworden bin, muss ich bei der Helsana noch für die Zusatzversicherung Cura bezahlen, wenn ich dies nicht ausdrücklich auf einem Formular ablehne. Ich finde das unerhört.
Das finden wir auch. Schon seit Jahren wird der Marktleader von Konsumentenschutzorganisationen und Konsumentenmagazinen für diese Praxis kritisiert. Leider ohne Erfolg. Füllen Sie das Formular aus und erklären Sie, dass Sie auf die Zusatzversicherung Cura verzichten wollen. Das Preis-Leistungs-Verhältnis dieser Versicherung ist schlecht, namentlich die lange Wartefrist. Helsana begründet das Vorgehen mit dem Argument, dass beim Abschluss der Hospital-Zusatzversicherung versprochen werde, die Zusatzversicherung Cura ohne die sonst übliche Gesundheitsprüfung abschliessen zu können. Wer Helsana von diesem Versprechen entbinden wolle, könne das Produkt Cura einfach und unbürokratisch telefonisch ablehnen.

Erschienen in der BZ am 11. November 2014

Claude Chatelain