Nationalbank macht Kantone glücklich

Falls die Devisenmärkte bis Ende Jahr nicht in Turbulenzen geraten, kann die Nationalbank den Kantonen einen schönen Gewinn überweisen. Bei Annahme der Goldinitiative wären solche Zuwendungen kaum mehr möglich.

Die Kantone dürfen hoffen: Die Nationalbank (SNB) weist für die ersten neun Monate des laufenden Jahres einen rekordverdächtigen Überschuss von 28,5 Milliarden Franken aus. Sollte sich die finanzielle Situation auch per Ende 2014 so rosig präsentieren, so könnten die Kantone wieder mit einem Geldsegen rechnen. Im letzten Jahr gingen die Kantone erstmals leer aus, weil die Nationalbank einen Verlust ausgewiesen hatte. Bund und Kantone dürften also mehr als 1 Milliarde Franken erhalten, die ihnen vertraglich zugesichert sind, falls die Nationalbank einen Gewinn von mindestens dieser Höhe erwirtschaftet. Doch die Nationalbank warnt vor voreiliger Freude: «Starke Schwankungen sind die Regel und Rückschlüsse auf das Jahresergebnis nur bedingt möglich», schreibt sie in der Medienmitteilung.

Der Rekordüberschuss ist im Hinblick auf die Abstimmung vom 30. November 2014 über die Goldinitiative von grosser Bedeutung. Das Volksbegehren verlangt unter anderem, dass die Goldreserven der Nationalbank 20 Prozent der Aktiven betragen müssen. Und zweitens, dass die Goldbarren «unverkäuflich» sind. Obschon keine andere Zentralbank der Welt pro Kopf der Bevölkerung auch nur annähernd so viel Gold besitzt wie die Schweizerische Nationalbank, beträgt derzeit der Anteil des Goldes bloss 7,5 Prozent. Das Hauptproblem ist aber, dass das bereits vorhandene und neu gekaufte Gold unverkäuflich sein soll. Wenn die SNB in grossen Mengen Euros kauft, um den Eurokurs bei 1.20 Franken stützen zu können, so vergrössert sich zwangsläufig die Bilanzsumme. Das heisst für die Notenbank, dass sie gleichzeitig auch Gold kaufen muss, damit der Goldbestand mindestens 20 Prozent der Aktiven beträgt. Die Nationalbank sagt es so: «Wenn die SNB immer Gold zukaufen muss, das sie anschliessend nicht mehr verkaufen darf, wird die Aktivseite der Bilanz mit der Zeit weitgehend aus unverkäuflichem Gold bestehen.» Dieses Gold wirft aber keine Zinsen oder Dividenden ab. Und allfällige Bewertungsgewinne könnten wegen der Unverkäuflichkeit des Edelmetalls gar nicht realisiert werden. Das heisst, dass die Notenbank bei Annahme der Initiative kaum mehr Gewinne erwirtschaften könnte und die Kantone auf den Obolus verzichten müssten.

Euroverluste, Dollargewinne

Nach Angaben der Nationalbank erzielte sie per Ende September auf dem Goldbestand einen Bewertungsgewinn von 3,3 Milliarden Franken. Um den Eurokurs auf 1.20 Franken zu stabilisieren, musste sie heuer weiterhin Euros kaufen. Dadurch wuchs die Bilanzsumme um 6,45 Prozent auf 522 Milliarden Franken. Die mit den Eurokäufen verbundenen Währungsverluste konnten mit Gewinnen auf dem Dollar und dem britischen Pfund mehr als kompensiert werden.

 

Erschienen in der BZ am 1. November 2014

Claude Chatelain