Nur wenige Berner Banken schaffen Transparenz

Wie verfahren die Banken mit den Retrozessionen, die sie von den Fondsgesellschaften als Provision erhalten? Sie haben drei Möglichkeiten. Ein Überblick.

Die Bank EKI in Interlaken schreibt ihren Kunden die Kickbacks gut; die Privatbank von Graffenried in Bern kauft nur noch retrofreie Fonds, und die Berner Kantonalbank verlangt vom Kunden eine Unterschrift, wonach er ausdrücklich auf die ihm zustehenden Retrozessionen verzichtet.

Worum geht es? Kauft die Bank im Auftrag eines Kunden einen Anlagefonds, so erhält sie von der Fondsgesellschaft eine Provision, eine sogenannte Retrozession, auch Retro oder Kickback genannt. Eigentlich müsste die Bank solche Kickbacks dem Kunden gutschreiben. Das tun die wenigsten. Lieber verlangen sie vom Kunden eine Unterschrift, wonach er ausdrücklich auf die Retros verzichtet. Doch seit zwei Jahren findet in der Branche ein Umdenken statt. Im November 2012 bekräftigte das Bundesgericht in einem wegweisenden Entscheid, dass die Retros dem Kunden gehörten. Zwar bezieht sich der Entscheid aus Lausanne lediglich auf Vermögensverwaltungsmandate, bei welchen die Bank ohne konkreten Auftrag das Portefeuille des Kunden verwaltet. Dennoch wies die Finanzmarktaufsicht die Banken an, in Sachen Retrozessionen Klarheit zu schaffen. So ist Bewegung in die Sache gekommen.

Die Retros dem Kunden

Die Bank EKI war das erste Institut im Kanton Bern, welches dem Privatkunden die Retros gutschreibt. «Die Bank verstärkt damit ihre Unabhängigkeit im Anlagegeschäft», schrieb die Bank vor einem Jahr in einer Mitteilung. Seit Mitte Jahr verfährt die Bank Coop mit dem gleichen Muster – und macht tüchtig Werbung damit: «Als erste Bank der Schweiz geben wir alle Retrozessionen unaufgefordert an unsere Kundschaft weiter», steht in grossen Lettern auf Plakatwänden. «Denn nur wer keine Vergütungen an Dritte zurückbehält, kann Sie wirklich unabhängig beraten.» Diese Werbebotschaft ist zwar des Eigenlobs zu viel. Noch vor der Bank Coop haben die Bank EKI und die Aargauer Kantonalbank damit angefangen, die Retros ihren Kunden gutzuschreiben. Indem nun diese Banken die Provisionen nicht mehr in den eigenen Sack stecken und für eine erhöhte Transparenz sorgen, haben sie stattdessen die Depotgebühren erhöht.

Doch statt vom Kunden eine Verzichtserklärung zu verlangen oder mit grossem Aufwand die Retros weiterzuleiten, gibt es noch einen dritten Weg: «Der Trend geht in Richtung retrofreier Anlagefonds», erklärte Markus Fuchs, Geschäftsführer des Schweizerischen Anlagefondsverbandes (Ausgabe vom 4. März 2014). Man legt also dem Kunden nur noch solche Anlagefonds ins Depot, welche keine Provision abwerfen. Eine Win-win-Situation, denn retrofreie Fonds haben eine tiefere Managementgebühr, was sich in einer höheren Rendite niederschlägt.

Die Zukunft ist «retrofrei»

Die Valiant-Bank ist drauf an dran, in diese Richtung zu arbeiten: Marketingchef Stephan Michel: «Wir sind intensiv an der Erarbeitung von neuen Modellen, bei welchen keine Entschädigungen von Dritten mehr anfallen.» Ähnliches ist auch in Sumiswald zu vernehmen: «Die Bernerland-Bank empfiehlt ihren Kunden passiv gemanagte Fonds, welche keine oder nur geringe Vertriebsentschädigungen abwerfen», sagt die stellvertretende Geschäftsführerin Irene Meyer. «Wir sehen die Zukunft in den retrofreien Produkten. Vorläufig lassen wir die Kunden jedoch noch die Verzichtserklärung unterzeichnen.»

 

Erschienen in der BZ am 28. Oktober 2014

Claude Chatelain