Auch Nichterwerbstätige zahlen AHV

Lohnempfängern in der Schweiz werden die AHV-Beiträge direkt vom Lohn abgezogen. Das führt zur grundverkehrten Meinung, dass die Nichterwerbstätigen der AHV kein Geld schulden.

Freiwillig Frühpensionierte erregen oft den Neid jener, die sich das nicht leisten können. Augenzwinkernd werden sich die Beneideten darüber beklagen, dass sie weiterhin der AHV Geld abliefern müssen. Denn wer in der Schweiz wohnhaft ist, muss bis zum ordentlichen AHV-Alter die erste Säule mitfinanzieren: Männer bis und mit 65. und Frauen bis und mit 64. Altersjahr. Die Beitragspflicht endet also nicht mit der Aufgabe der Erwerbstätigkeit. Alle zahlen spätestens ab dem 1. Januar nach Vollendung des 20. Altersjahrs in die AHV: Erwerbstätige, Nichterwerbstätige, Studenten, Arbeitslose, IV-Rentner und sogar Pauschalbesteuerte.

Nur Ehegatten sind befreit

Von der Zahlung der Beiträge sind lediglich nichterwerbstätige Ehepartner befreit, wenn der andere Ehepartner mindestens Beiträge in Höhe von 960 Franken pro Jahr entrichtet.

 

Bei unselbstständig Erwerbstätigen berechnet sich die Höhe der Beiträge aufgrund des Einkommens: 8,4 Prozent für die AHV, 1,4 für die IV, 0,5 Prozent für die Erwerbsersatzordnung (EO). Die Hälfte dieser Beiträge zahlt der Arbeitgeber, die andere Hälfte wird dem Arbeitnehmer vom Lohn in Abzug gebracht.

Komplizierter ist die Rechnung bei den Nichterwerbstätigen: Bei ihnen berechnet sich die Höhe der Beiträge aufgrund des Renteneinkommens und des Vermögens. So wird gerechnet: Man nehme das von der Steuerverwaltung gemeldete Vermögen und addiere das 20-fache Renteneinkommen. Ergibt sich daraus eine Summe von 750 000 Franken, so beläuft sich der jährliche Beitrag an die AHV, IV und EO auf 1442 Franken. Bei einer Million sind es 1957 Franken.

Plus Verwaltungskosten

Hinzu kommt noch ein Verwaltungskostenbeitrag. Bei der Ausgleichskasse des Kantons Bern beträgt er zwischen 1,8 Prozent und 5 Prozent von den geschuldeten AHV/IV/EO-Beiträgen.

 

Nun muss man noch wissen, was alles zum Renteneinkommen gehört, welches mit 20 zu multiplizieren ist. Im Wesentlichen sind das die vorbezogene AHV-Rente, die Rente der Pensionskasse, Unterhaltsleistungen des geschiedenen Ehepartners und allfällige Mietwerte. Nicht zum Einkommen zählen IV-Renten und Ergänzungsleistungen.

Meistens muss man ziemlich viel Geld auf der hohen Kante haben, um sich freiwillig eine vorzeitige Pensionierung leisten zu können. Da die Höhe des Vermögens und des Renteneinkommens schwanken können, ist der AHV-Beitrag jährlich neu zu berechnen. Die dazu erforderlichen Angaben erhalten die Ausgleichskassen direkt von der Steuerbehörde. 

 

 

 

Pauschalbesteuert

Die Befürworter der Pauschalbesteuerung werden nicht müde, im Hinblick auf die Abstimmung vom 30. November darauf hinzuweisen, dass auch die pauschal besteuerten Ausländer Sozialversicherungs-beiträge zahlen müssen. Und dies, obschon sie hierzulande keiner Erwerbstätigkeit nachgehen. Der Berner SVP-Nationalrat Adrian Amstutz erklärte im Namen der Kommission, dass für die Festsetzung der AHV-Beiträge von Aufwandbesteuerten die Bundessteuer als Grundlage diene. Das künftige steuerbare

Minimum auf Bundesebene betrage 400'000 Franken; ein pauschal besteuertes Ehepaar habe demnach AHV-Beiträge von gut 20'000 Franken zu bezahlen.

Was Amstutz nicht präzisierte: Nur Ausländerinnen bis Alter 64 und Ausländer bis Alter 65 müssen Sozialversicherungsbeiträge abliefern. Von den insgesamt 5634 pauschal besteuerten Ausländern in der Schweiz dürfte das die Minderheit sein.

 

Erschienen in der BZ am 21. Oktober 2014


Claude Chatelain