Vierte Säule: US-Bank gibt sich betont schweizerisch

Pinus cembra, auch Arve genannt.
Pinus cembra, auch Arve genannt.

Die Amerikaner machen uns das Leben schwer. Das spüren alle Schweizerinnen und Schweizer, die einen US-Pass oder eine Greencard besitzen und allein deshalb bei Schweizer Banken nicht mehr willkommen sind. Das gilt aber insbesondere auch für die Banken, die auf Geheiss der Amerikaner einen grossen Papierkrieg führen und sogar amerikanische Anwälte beschäftigen müssen, damit diese überprüfen, ob die Bank die Befehle von Uncle Sam ausführt. Jemand muss das bezahlen. Wer, wenn nicht der Kunde?

Schon von der Cembra Money Bank gehört? Das tönt nicht gerade schweizerisch. Doch Tausende von Schweizern erhalten monatlich eine Rechnung von diesem Institut: all die Besitzer einer Mastercard der Migros oder des TCS. Gegen aussen gibt sich Cembra trotz des wenig heimischen Namens betont schweizerisch. «Cembra – Ihr Schweizer Finanzierungspartner», steht auf der Website. «Wir sind eine erfahrene Schweizer Bank, die ihre Kunden und deren Privatsphäre schützt.» Und siehe da: Selbst der Nama Cembra ist nicht so exotisch, wie er klingt. Der Name beziehe sich auf die in den Schweizer Bergen beheimatete Arve Pinus Cembra, steht auf der Website weiter. Sie wachse auf bis zu 2850 Metern Höhe unter schwierigen Bedingungen und könne sogar bei Temperaturen bis minus 45 Grad bis zu tausend Jahre alt werden. «Ein starker Baum für eine starke Marke.»

Die Bank mit Hauptsitz Zürich ist nur in der Schweiz mit einem landesweiten Netz von 25 Filialen vertreten. Seit knapp einem Jahr ist sie an der Schweizer Börse kotiert. Keine Frage: Die Cembra Money Bank ist rechtlich eine Schweizer Bank. Und doch ist Cembra für mich ein US-Institut: 32 Prozent des Aktienkapitals wird von der amerikanischen General Electric kontrolliert. Manchem geht jetzt ein Licht auf: Das nach einem Baum in den Schweizer Bergen benannte Geldhaus ist die vormalige GE Money Bank. Man hat sich von diesem Namen verabschiedet, um nicht auf den ersten Blick als Amerikaner erkannt zu werden. Ein nachvollziehbarer Entscheid.

 

Erschienen in der BZ am 21. Oktober 2014

Claude Chatelain