Vierte Säule: Über die Goldinitiative und die Einbruchrate

Die Einbruchrate in der Schweiz wächst jährlich zweistellig. Die Fangquote der Verbrecher ist erbärmlich. Hat die Polizei ausnahmsweise einen Einbrecher geschnappt, so kann sich dieser auf eine milde Strafe freuen. Er wird deshalb nicht einsehen, weshalb er nicht weiter seinem Hobby des Einbrechens frönen soll.

Es ist unklug, das Gold zuhause aufzubewahren.
Es ist unklug, das Gold zuhause aufzubewahren.

Wegen dieser unerfreulichen Entwicklung würde ich Kurantmünzen, Goldbarren oder andere Edelmetalle nie und nimmer zu Hause aufbewahren, wenn ich welche besässe. Dieser Gedanke führt mich zur Goldinitiative, über die wir am 30. November abstimmen. Die Initianten wollen nicht nur einen minimalen Goldbestand des Nationalbankvermögens sicherstellen. Sie wollen auch dafür sorgen, dass sämtliches Gold in der Schweiz verwahrt wird.

Worin besteht nun der Zusammenhang zwischen den Goldbarren, die ich leider nicht habe, und der Goldinitiative, über die wir glücklicherweise abstimmen dürfen? In beiden Fällen geht es um den Ort, wo das Edelmetall aufzubewahren ist. Die Initianten betrachten den minimalen Goldbestand von 20 Prozent als vorbeugende Massnahme, weil man kein Schreckensszenario ausschliessen könne. Der Aargauer SVP-Nationalrat Luzi Stamm sagte es so: «Gold kann im allerschlimmsten Fall auch zum Notgroschen werden, wenn alle Brücken brechen, wenn es Währungszusammenbrüche und Turbulenzen gibt.»

Wenn wir uns gegen jedes mögliche Schreckensszenario wappnen müssen, so dürfen wir doch erst recht nicht all unser Gold hierzulande bunkern. Stellen Sie sich vor, eine westlich gelegene marode Atommacht marschiert über die Schweizer Grenze und entwendet unser Gold. Lachen Sie nicht: Schon 1798 mussten wir Berner zuschauen, wie die dreisten Franzosen den Staatsschatz beschlagnahmten. Sie sehen, liebe Leser, es ist wohl gar nicht so dumm, einen Teil unseres Schatzes in England und in Kanada zu horten. Sicher ist sicher.

 

Erschienen in der BZ an meinem Geburtstag, am 14. Oktober 2014

Claude Chatelain