Sparen nach Plan

Der Fondssparplan ist etwas vom Nützlichsten, was die Bankenwelt im Interesse des Privatanlegers zu entwickeln vermochte. Die Migros-Bank zeigt auf, weshalb sich zeitlich gestaffeltes Investieren lohnt.

Die Bankenindustrie hat zum Teil Angebote kreiert, welche eigentlich nur den Banken selber dienen. Zu denken ist dabei an die komplizierten und undurchsichtigen strukturierten Produkte. Die Banken haben aber auch intelligente Finanzvehikel entwickelt, die nicht nur ihnen selber dienen, sondern ebenfalls für den Anleger von grossem Nutzen sind: der Fondssparplan. Man hat auch schon lesen können: Der Fondssparplan sei das Beste, was die Finanzindustrie in den letzten Dezennien für den Privatanleger geschaffen habe. Vielleicht noch besser als der Bancomat.

Wenn das Investieren an den Computer delegiert wird

Der Fondssparplan hat zwei Vorteile: Erstens das Konstrukt des Anlagefonds, der eine Vielzahl von Wertschriften enthält und somit die Möglichkeit schafft, auch mit kleinen Beiträgen in ein breit gestreutes Portefeuille zu investieren. Und da ist zweitens der Plan, der ein zeitlich gestaffeltes Investieren ermöglicht. Das Vorgehen ist automatisiert. Man braucht bloss zu entscheiden, welchen Betrag in welchem Zeitabstand in welchen Fonds investiert werden soll. Der Computer macht den Rest. Und ist man knapp bei Kasse, kann man den Sparplan problemlos sistieren.

Ökonomen haben wiederholt bewiesen, dass ein gestaffeltes Investieren kleiner Beiträge erfolgversprechender ist als eine einmalige Investition einer stattlichen Summe. Wer immer den gleichen Betrag anlegt, erwirbt mehr Fondsanteile, wenn die Kurse tief sind. Über längere Zeit führt das zu günstigeren Einstiegskursen. Die Experten nennen dieses Phänomen Durchschnittskosteneffekt: Albert Steck von der Migros-Bank sagt es so: «Der Fondssparplan ermöglicht sowohl eine langfristige Partizipation am Potenzial der Aktien als auch eine Dosierung des Risikos, falls es demnächst zu einem Börseneinbruch kommen sollte.» Er hat kürzlich anhand eines Beispiels aufgezeigt, dass das gestaffelte Investieren mit einem Fondssparplan zu einer Outperformance führt.

Zweimal lag die Investition über ein Drittel im Minus

Als Startpunkt ihrer Vergleichsrechnung hat die Bank den 1. Januar 2001 gewählt. Wie heute befand sich der Börsenzyklus auch damals nach einem über dreijährigen Aufschwung in einem reifen Stadium. Ein Anleger, der zu diesem Zeitpunkt 100 000 Franken in den Swiss Performance Index (SPI) investierte, hat laut Migros-Bank bis heute eine Rendite von 47 Prozent erzielt, inklusive der reinvestierten Dividende. «Um diesen Gewinn zu erreichen, brauchte man jedoch starke Nerven: Zweimal, in den Jahren 2003 und 2009, lag die Investition über ein Drittel im Minus», schreibt Albert Steck. Es liegt in der Natur des Menschen, dass gerade in Crashphasen der Anleger seine Aktienpositionen reduziert und damit den darauf folgenden Boom verpasst.

Die Migros-Bank hat nun die Performance berechnet, wenn das Geld nicht auf einen Schlag, sondern mit einem Fondssparplan in den SPI investiert wurde. Bei 100'000 Franken ergibt dies 164 monatliche Tranchen à je 610 Franken. Das Resultat: Der Gewinn ist mit 67 Prozent deutlich höher. Zudem fallen die Kursrückschläge mit dem Fondssparplan moderater aus, wie die Grafik zeigt. Hat man sich für einen Fondssparplan entschieden, bleibt noch die Frage, auf welchen Anlagefonds man setzen soll. Die Banken bieten bei Fondssparplänen nur ihre eigenen Produkte an. Der bankeigene Fonds ist aber nicht immer der beste und schon gar nicht der günstigste. Doch gerade die Gebühren sind bei der Auswahl eines Fonds ausschlaggebend. Den künftigen Kursverlauf eines Fonds kennt man nicht. Bekannt sind hingegen die Kosten. Bekannt ist ebenfalls, dass die Kosten die Rendite schmälern (Kasten).

Postfinance profiliert sich mit dem Best-in-Class-Ansatz

Glaubwürdiger sind daher jene Institute, die Sparpläne mit solchen Fonds im Angebot haben, die nicht aus ihrer eigenen Küche stammen. Prominentes Beispiel ist Postfinance. Die staatlich kontrollierte Aktiengesellschaft führt zwar auch ein paar eigene Fonds im Sortiment, hauptsächlich gemischte Fonds, welche Kraut und Kabis, spricht Aktien und Obligationen enthalten. Daneben führt aber Postfinance eine Palette von 30 Anlagefonds von Drittanbietern wie Credit Suisse, DWS, Fidelity, JP Morgan Pictet, Sarasin, Swisscanto Templeton oder UBS. Postfinance verfolgt somit einen Best-in-Class-Ansatz. Beispiele: Der Aktienfonds Lateinamerika stammt von Fidelity; der Asian Growth Fund stammt von Templeton, der Schweizer Immobilienfonds von der Credit Suisse, und der globale Health-Care-Fonds stammt von JP Morgan. Kommt hinzu, dass Postfinance eine unterdurchschnittliche Ausgabekommission verlangt und keine Depotgebühr in Rechnung stellt.

 

 

INFOTHEK

Je höher die Gebühren, desto tiefer die Performance. Diese Erkenntnis ist banal. Und doch scheinen etliche Anleger bei der Auswahl eines Fondssparplans, beziehungsweise bei der Wahl der Bank, die Kosten auszublenden. Bei einem Fondssparplan fallen auf drei Ebenen Kosten an:

Ausgabekommission Beim Kauf von Fondsanteilen verlangt die Bank normalerweise eine Gebühr, welche je nach Fondstyp unterschiedlich hoch ausfallen kann. Im Unterschied zu herkömmlichen Aktienkäufen gibt es bei Fondssparplänen keine Mindestgebühr. Die Migros-Bank verlangt keine Ausgabekommission.

Depotgebühr: Für das Verwahren von Wertschriften verlangen die Banken eine Depotgebühr. Wobei diese Gebühr bei bankeigenen Fonds häufig tiefer ausfällt als bei Aktien oder Obligationen. Postfinance verlangt keine Depotgebühr.

TER: Die Total Expense Ratio gibt in Prozent die Höhe der Kosten an, welche innerhalb eines Fonds anfallen. Sie sind nicht sichtbar, schmälern aber die Rendite. Die Höhe der TER muss man anfragen oder im Faktenblatt des Fonds nachschauen.

 

Erschienen in der BZ am 14. Oktober 2014


Claude Chatelain