Geld für den bleibenden Schaden

Die Unfallversicherer zahlen einmalig eine Integritätsentschädigung, falls der Unfall einen bleibenden Gesundheitsschaden verursachte. Sie beträgt maximal 126 000 Franken.

Wer von einer Erkrankung einen bleibenden Schaden davonträgt, wird für diese Unbilden nicht entschädigt. Das Krankenversicherungsgesetz (KVG) sieht keine Integritätsentschädigung vor. Anders beim Unfallversicherungsgesetz (UVG): «Erleidet der Versicherte durch den Unfall eine dauernde erhebliche Schädigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Integrität, so hat er Anspruch auf eine angemessene Integritätsentschädigung», steht in Artikel 24 UVG.

Verlust eines Körperteils

Was der Bundesrat unter «angemessen» versteht, beschreibt er in der Verordnung über die Unfallversicherung. Der Verlust eines Fusses berechtigt zu einer Integritätsentschädigung von 30 Prozent, der Verlust der Milz zu einer von 10 Prozent und der Verlust von mindestens zwei Gliedern eines Langfingers zu einer von 5 Prozent. Die Verordnung nennt 30 solcher Gebrechen. Die Entschädigung beziffert sich in Prozent des maximal versicherten Jahreslohnes von 126 000 Franken. Die Höhe der Entschädigung ist also allein vom Gesundheitsschaden abhängig. Die Frage der Erwerbsfähigkeit ist im Gegensatz zur Invaliditätsrente unerheblich. Und sollte die Erwerbsfähigkeit als Folge des Unfalls eingeschränkt sein, so erhält der Verunfallte unabhängig von der Integritätsentschädigung eine Rente.

Neben den in der Verordnung aufgelisteten Körperschäden hat die Suva noch eine Reihe von Gesundheitsstörungen mit der entsprechenden Entschädigungshöhe aufgelistet. Und doch gibt es immer wieder Fälle, bei welchen geschädigte Personen einen Anwalt beiziehen müssen. Das bestätigt Herbert Schober, Fachanwalt für Haftpflicht- und Versicherungsrecht in Zürich. «Streitigkeiten gibt es häufig dort, wo keine festen Prozentsätze, sondern Bandbreiten festgelegt wurden.» Schober denkt etwa an Wirbelsäulenaffektionen oder andere Schmerzstörungen. Auch bei Leistungseinschränkungen als Folge von Kopfverletzungen sei die Höhe der Integritätsentschädigung häufig nicht klar, weiss Herbert Schober. Das Gleiche gelte , wo eine Person als Folge eines Unfalls mehrere bleibende Schäden in Kauf nehmen müsse.

Die Genugtuung

Nicht zu verwechseln mit der Integritätsentschädigung ist die Genugtuung. Dies ist kein Begriff aus dem UVG, sondern aus dem Haftpflichtrecht. Genugtuung, auch Schmerzensgeld, ist eine Entschädigung für den seelischen Schmerz. Dieser kann durch den Verlust eines Familienmitglieds, aber auch durch einen Unfall passieren. Unter Umständen erhält eine verunfallte Person vom Unfallversicherer eine Integritätsentschädigung und vom Haftpflichtversicherer desjenigen, der den Unfall zu verantworten hat, eine Genugtuung. Im Unterschied zur Integritätsentschädigung gibt es für die Genugtuung im Haftpflichtrecht keinen gesetzlichen Tarif.


Der Gang zum Richter

Häufig lohnen sich rechtliche Händel nicht. Ob die Entschädigung 15 oder 20 Prozent beträgt, fällt für den Unfallversicherer kaum ins Gewicht. Die Differenz beträgt gerade mal 6300 Franken. Die Anwaltskosten dürften höher zu stehen kommen. Und noch etwas: Die Integritätsentschädigung gilt nicht als Einkommen. Sie ist steuerfrei.

 

 

Erschienen in der BZ am 14. Oktober 2014

Claude Chatelain