Vierte Säule: Wenn die Gewerkschaften wirre Studien verfassen

Der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) hat letzte Woche eine eigene Studie präsentiert und dabei laut eigenen Worten «Erstaunliches herausgefunden».

Der SGB hat nämlich herausgefunden, dass «die AHV mit ihrem Preis- Leistungs-Verhältnis die private Vorsorge um Längen schlägt». Die grosse Mehrheit der Schweizer Haushalte bekomme für jeden Franken AHV-Beitrag deutlich mehr Rente, als wenn sie das gleiche Geld auf einem Konto 3a anlegen würde. Bitte sehr: Was ist erstaunlich an diesem Befund?

Ein Ehepaar mit einem gemeinsamen Lohn von 7400 Franken zahlt gemäss einem Rechnungsbeispiel des SGB 10,3 Prozent des Lohnes an die AHV. Mit der Säule 3a hätte das Paar Monat für Monat 22,5 Prozent des Lohns auf das Konto 3a überweisen müssen, um im Alter die gleiche Rente von 3510 Franken zu erhalten.

Pardon: Dieser Vergleich ist absurd. Die Säule 3a wird allein mit dem eigenen Geld finanziert. Bei der AHV profitieren die Rentner dagegen von der Solidarität der Topverdiener. All die Manager und Abzocker mit ihren Millionensalären zahlen ein Vielfaches dessen in die erste Säule, was sie später als Rente beziehen können. Davon profitieren wir Normalsterblichen. Da braucht man nun wirklich keine Studie zu verfassen, um das zu belegen.

Dem SGB ging es bei dieser Übung natürlich darum, Werbung für die AHV zu machen. Das ist sein gutes Recht. Er hat ja die Initiative «AHV plus» eingereicht, welche einen Zuschlag von 10 Prozent auf allen AHV-Altersrenten verlangt. Das Volksbegehren kommt demnächst zusammen mit dem grossen Reformprojekt «Altersvorsorge 2020» von SP-Bundesrat Alain Berset ins Parlament. Die erste Säule ist schlank und kräftig. An ihr nagen keine Banken und Versicherungen wie bei der zweiten Säule der beruflichen und der dritten Säule der privaten Vorsorge. Es gibt daher genügend Argumente, die für eine starke AHV sprechen. Dazu braucht es keine wirren Vergleiche mit etwas, das gar nicht vergleichbar ist.

Claude Chatelain