Vierte Säule: Zum Pilotprojekt Einheitskasse in der Romandie

Der Röstigraben
Der Röstigraben

Der Röstigraben macht mir Sorgen: Wenn sich bei jeder zweiten wichtigen Abstimmung eine Kluft zwischen der deutsch- und der französischsprachigen Schweiz auftut, so ist das für den Zusammenhalt problematischer, als wenn die Thurgauer und die Nidwaldner das Frühfranzösisch abschaffen. 

Doch im Fall der Einheitskasse kann ich dem Röstigraben nur Positives abgewinnen. Denn ich sehe nicht ein, weshalb man den Kantonen Genf, Jura, Neuenburg und Waadt verwehren soll, eine Einheitskasse einzuführen. Erstens kann man damit die Mehrheit der Romands zufriedenstellen. Zweitens können wir Deutschschweizer gelassen beobachten, wie ein solcher Systemwechsel vonstattengeht. Und ist der Systemwechsel einmal vollzogen, wird man sehen können, welches Modell besser funktioniert.

Wir hätten dann eine Konkurrenzsituation zwischen zwei Systemen, ähnlich wie in der Unfallversicherung. Dort befindet sich die Suva ebenfalls im Wettbewerb mit den Privatversicherern, auch wenn gewisse Branchen keine Wahlfreiheit haben und sich dem Versicherungsschutz der Suva nicht entziehen können. Doch Prämiensteigerungen, Kundenservice und Kostenbewusstsein lassen sich durchaus vergleichen.

Die welsche Einheitskrankenkasse stünde dann ebenfalls in einem gewissen Konkurrenzverhältnis zu den Deutschschweizer Grundversicherern. Nur dass wir im Unterschied zur Unfallversicherung keine branchenspezifische, sondern eine geografische Abgrenzung hätten.

Pierre-Yves Maillard.
Pierre-Yves Maillard.

Ich fürchte jedoch, dass sich die Romands diesem Wettstreit der Systeme gar nicht stellen würden. Eine Abstimmung in den entsprechenden Kantonen könnte also sehr gut bachab gehen, wenn sie über eine kantonale und nicht über eine eidgenössische Einheitskasse abstimmen dürfen. Der Waadtländer Gesundheitsdirektor Pierre-Yves Maillard, der prominenteste Befürworter der Einheitskasse, hielt sich dieser Tage vornehm zurück, eine welsche Lösung zu fordern. Ihm wird so oder so nachgesagt, dass er eigentlich gar keine Einheitskasse will. Ihm liege vielmehr daran, mit den wiederkehrenden Initiativen die Krankenkassen zu disziplinieren.

 

Erschienen in der BZ am 30. September 2014

Claude Chatelain