Vierte Säule: Warum die Nachfrage nach Stockwerkeigentum abnehmen wird

Immobilienbesitz ist immer auch eine emotionale Angelegenheit.
Immobilienbesitz ist immer auch eine emotionale Angelegenheit.

Stockwerkeigentum boomt. An gewissen Lagen zahlt man horrende Preise, um vier Wände sein Eigen  nennen zu können. Wobei nur die Wände und die Ausstattung im Innern im Eigentum eines einzelnen Stockwerkeigentümers sind. Treppenhaus, Dach und insbesondere das Grundstück teilt er mit anderen. 

Seit fünfzig Jahren gibt es in der Schweiz Stockwerkeigentum. Die Häuser aus der Pionierzeit kommen in die Jahre. Sie müssen renoviert werden. Nun kann man unterschiedlicher Meinung darüber sein, ob die Hausfassade  erneuert werden muss. Man kann sich auch darüber streiten, ob ein Kinderspielplatz einen Mehrwert oder einen Minderwert darstellt. Wo die Meinungen über das gemeinsame Eigentum geteilt sind, ist der Knatsch programmiert. Das zeigte sich auch an der Telefonhotline vom letzten Mittwoch, als sich Experten zu Fragen rund ums Stockwerkeigentum zur Verfügung stellten.

Mit der Häufung solcher Streitigkeiten wird sich mancher potenzielle Stockwerkeigentümer  fragen: «Muss ich das haben? Bin ich mit einer Mietwohnung nicht besser bedient?» Ein Mietvertrag ist schnell mal gekündigt, wenn man sich mit Nachbarn schlecht versteht. Eine Wohnung zu verkaufen, ist mit deutlich mehr Umtrieben verbunden. Zudem besteht immer auch das Risiko, beim Verkauf weniger Geld zu lösen, als man beim Kauf hinblättern musste.

Ich wäre nicht erstaunt, wenn das Interesse an Wohneigentum aufgrund solcher Geschehnisse in Zukunft abnähme. Das würde für tiefere Preise sorgen. Und sollten die Zinsen doch noch einmal anziehen, dann kommen die Preise erst recht unter Druck.

Mancher fragt sich, ob Miete oder Kauf besser rentiert. Mit Rechnungsbeispielen kann man beides beweisen. Für mich ist Immobilienbesitz immer auch eine emotionale Angelegenheit. Doch wenn ich mich wegen eines renitenten Stockwerkmiteigentümers grün und blau ärgern muss, helfen mir Renditeschätzungen wenig.

Erschienen in der BZ am 23. September 2014

 

Claude Chatelain