Vierte Säule: Zur Einheitskasse wird viel behauptet und nichts bewiesen

Vor Urnenabstimmungen ist Gegnern und Befürwortern  fast jedes Mittel recht, um die Stimmbürger von ihrer Sache zu überzeugen. Beim Abstimmungskampf um die Einheitskasse tun sie dies vorab  mit Behauptungen, die sich weder belegen noch widerlegen lassen.

Die Gegner sagen, die Kosten würden bei fehlendem Wettbewerb steigen. Die Befürworter hingegen beteuern, die Kosten würden wegen der eingesparten Verwaltungskosten sinken.
Ich behaupte, wir wissen es nicht.

Ärzte behaupten, die Einheitskasse würde die freie Arztwahl garantieren, denn  der Monopolist könne nicht einzelne Mediziner ausschliessen. Andere Ärzte versichern, die Einheitskasse schränke die freie Arztwahl ein. Das zeigten Beispiele aus dem Ausland.  Ich entgegne: Wir wissen es nicht.

Der Systemwechsel werde 1,75  Milliarden Franken verschlingen, behaupten  die Gegner. Es werde weniger als eine Milliarde sein, kontern die Befürworter. Ich lästere: Wir wissen es nicht.

Die Befürworter sagen, die ungebetenen Anrufe von Telefonmaklern würden bei einer Einheitskasse versiegen, da man ja die Kasse nicht mehr wechseln könne. Die Gegner wollen wissen, dass die «cold calls» bei einer Einheitskasse erst recht zunähmen, weil die Nachfrage nach Zusatzversicherungen steigen würde. Ich räsoniere: Wir wissen es nicht.

Wenn Ärzte im Leitungsgremium sässen, sei das eine Verbesserung, sagen die Befürworter. Die  Gegner hingegen finden, das sei eine Verschlechterung. Ich sage: Wir wissen es nicht.

Wir wissen nicht, wie das Gesetz bei einem Ja formuliert und wie die paritätische Führung ihre Aufgabe wahrnehmen würde. Solange wir das nicht wissen, kann jeder  behaupten, was er will: Wem es zuwider ist, jedes Jahr zum günstigsten Anbieter zu wechseln, stimmt Ja.  Wer nicht einer einzigen Kasse  ausgeliefert sein will, stimmt Nein. Gar nicht so schwierig, oder?

Erschienen in der BZ am 9. September 2014

Claude Chatelain