Die Vita Sammelstiftung zahlt mehr, als sie müsste

Die Vita-Sammelstiftung der Zürich verzinst das überobligatorische Guthaben deutlich besser als das obligatorische. Wie kommt das?

Mit 115000 Versicherten ist  Vita eine der grössten Sammelstiftungen der Schweiz.  Sie gab jüngst  bekannt, für 2014 die überobligatorischen Guthaben  mit 3,75 Prozent und die obligatorischen mit 2,75 Prozent zu verzinsen.

Wie kommt die von der Zürich kontrollierte Vorsorgestiftung dazu, den überobligatorischen Teil höher zu verzinsen als den obligatorischen? «Mit der besseren Verzinsung der überobligatorischen Guthaben gleichen wir die tieferen Umwandlungssätze aus», so die offizielle Antwort.

In der Tat benutzt Vita verschiedene Umwandlungssätze: der obligatorische Teil des Altersguthabens wird zum gesetzlichen Mindestumwandlungssatz von 6,8 Prozent und der überobligatorische Teil    mit 5,835 Prozent umgewandelt. Frauen müssen mit einem noch tieferen Satz von  5,69 Prozent vorliebnehmen. In Zahlen: Auf 100000 Franken obligatorisches Guthaben beträgt die Rente 6800 Franken; auf 100000 Franken überobligatorisches Guthaben gibts dagegen bloss 5835 Franken im Jahr.

Die zwei Töpfe der Vorsorge

Der obligatorische Teil setzt sich aus Vermögen zusammen, die im Rahmen des gesetzlichen Obligatoriums angespart werden. Und somit besteht der überobligatorische Teil aus jenen  Geldern, welche  über dem  gesetzlichen Minimum angespart wurden. Solche ergeben sich etwa, wenn der versicherte Lohn oder die Verzinsung des Alterskapitals höher sind als gesetzlich vorgeschrieben. Bildlich gesprochen besteht ein Altersguthaben aus zwei Töpfen: im einen der obligatorische, im andern der überobligatorische Teil.

Insbesondere die Lebensversicherer benutzen zwei Umwandlungssätze. Die betriebseigenen Pensionskassen haben dagegen meistens nur einen Umwandlungssatz, einen Mischsatz. Sie müssen aber mit einer Schattenrechnung sicherstellen, dass das obligatorische Guthaben mit 6,8 Prozent umgewandelt wird.

Zurück zu den Zinsen: Interessant ist die Tatsache, dass die Vita-Sammelstiftung der Zürich den obligatorischen Teil mit 2,75 Prozent verzinst, also um  einen ganzen Prozentpunkt über dem gesetzlichen Mindestzins.

Als der Bundesrat im Oktober letzten Jahres den Mindestzins von 1,5 auf 1,75 Prozent erhöhte, kritisierte der Schweizerische Versicherungsverband diesen Entscheid heftig und erklärte, die 1,75 Prozent seien «erneut zu hoch». Angemessen sei ein Mindestzins von 1,25 Prozent. Zumindest die Zürich beziehungsweise die Vita scheint mit dem gesetzlichen Mindestzins gut leben zu können.

Erschienen in der BZ am 2. September 2014

Claude Chatelain