Innova zeigt, dass es ohne Grundversicherte auch geht

Der Krankenversicherer hat  bei der Konzentration keinen Hals- und Armbruch erlitten. Das Geschäftsmodell funktioniert.
Der Krankenversicherer hat bei der Konzentration keinen Hals- und Armbruch erlitten. Das Geschäftsmodell funktioniert.

Sollte das Volk der Einführung einer öffentlichen Einheitskrankenkasse zustimmen, wäre Innova gewappnet. Die Berner Kasse trat ihre Grundversicherung vor zweieinhalb Jahren ab.

Wenn Innova für Innovation steht, so macht der Krankenversicherer aus Gümligen seinem Namen alle Ehre: Auf den 1. Januar 2012 übergab Innova die obligatorische Krankenpflegeversicherung mit 38 000 Grundversicherten an Visana und konzentriert sich seither auf die Zusatzversicherungen. Einen Schritt, den auch andere Krankenversicherer beschreiten könnten, sollte die Stimmung im Land kippen und der Souverän am 28. September der Einführung einer öffentlichen Einheitskrankenkasse zustimmen. Michael Rindlisbacher, Delegierter des Verwaltungsrats, und Sergio Pradera, Vorsitzender der Geschäftsleitung, ziehen heute eine positive Bilanz. Sie wussten, dass ein Teil der Kundschaft die Zusatzversicherung kündigen würde, weil sie Grund- und Zusatzversicherung beim gleichen Anbieter haben möchten. Innova rechnete mit Abgängen von 12 Prozent; nun dürften es bloss 7 bis 8 Prozent sein, die wegen des Abschieds von der Grundversicherung den Versicherer wechselten.

Mehr Zusatzversicherte

Unter dem Strich ist Innova seit der Abspaltung um rund 10 Prozent gewachsen: von 43 000 auf 47 600 Versicherte. Das hat laut Sergio Pradera wohl auch mit der Fokussierung auf Spezialitäten zu tun: auf die Spitalkostenversicherung für Nichtraucher und auf die flexible Spitalzusatzversicherung. Bei diesem Produkt, genannt Switch, entscheidet der Kunde vor dem Spitaleintritt, ob er allgemein, halbprivat oder privat liegen möchte – und zahlt einen entsprechenden Selbstbehalt. Wobei dieser Selbstbehalt in Franken und nicht in Prozent angegeben wird, was zum Beispiel Stephan Wirz vom Maklerzentrum als einen Vorteil betrachtet: «Wird aber der Selbstbehalt in Prozent der Gesamtkosten angegeben, so kann ich nur schlecht abschätzen, wie hoch die Rechnung am Schluss ausfallen wird», sagte er kürzlich im Interview mit dieser Zeitung.

«Der unternehmerische Spielraum wird mehr und mehr eingeschränkt, sodass man als kleiner Player keine Möglichkeit hat zu wachsen», sagt der VR-Delegierte Michael Rindlisbacher.
«Der unternehmerische Spielraum wird mehr und mehr eingeschränkt, sodass man als kleiner Player keine Möglichkeit hat zu wachsen», sagt der VR-Delegierte Michael Rindlisbacher.

Die Krux der Reglementierung

Hat sich Innova von der Grundversicherung verabschiedet, weil früher oder später so oder so die Einheitskasse kommen wird? «Das war sicher auch eine Überlegung», sagt Rindlisbacher, doch als kleiner Grundversicherer sah Innova auch beim heutigen System keine Zukunft: «Der unternehmerische Spielraum wird mehr und mehr eingeschränkt, sodass man als kleiner Player keine Möglichkeit hat zu wachsen», sagt der VR-Delegierte. Und wachsen müsse man, weil sich die stets strengere Aufsicht und schärfere Reglementierung auf die Fixkosten schlügen. Hinzu kommt, dass Innova schon immer ihren Fokus stark auf die private Kranken- und Unfallversicherung richtete. Die Hälfte ihrer Zusatzversicherten hatte die Grundversicherung bei einem anderen Anbieter, was im Quervergleich ein hoher Wert ist. Würde nun der Krankenversicherer aus Gümligen bei einem Ja zur Einheitskasse profitieren? «Schwierig zu sagen», so Pradera. Die Nachfrage nach Zusatzversicherungen nähme bei einer staatlichen Einheitskasse auf der einen Seite wohl zu; auf der anderen Seite würde sich der Wettbewerb bei den Zusatzversicherungen verschärfen. Jene Krankenkassen, die bisher ihre Energie in die Grundversicherung legten, dürften bei den Spitalzusatzversicherungen einen Zacken zulegen und für eine härtere Konkurrenz sorgen.

Spezialität Lohnausfall

Diese Konkurrenz könnte Innova mit ihren 75 Vollzeitstellen vielleicht im Heilungskostengeschäft spüren, aber weniger stark in der Lohnausfallversicherung, dem anderen grossen Standbein. «Der bestehende, bereits intensiv geführte Wettbewerb würde von einem Entscheid zur Einheitskrankenkasse wohl nicht direkt beeinflusst», schätzt Pradera. 53 Prozent vom gesamten Prämienvolumen von knapp 90 Millionen Franken entfallen bei Innova auf die Lohnausfallversicherung.

Erschienen in der BZ am 27. August 2014

Claude Chatelain