25 Jahre den gleichen Zins – «schlaf guet»

Lange Jahre keine bösen Überraschungen an der Zinsfront – da kann man es sich gemütlich machen.
Lange Jahre keine bösen Überraschungen an der Zinsfront – da kann man es sich gemütlich machen.

Wem die Budgetsicherheit wichtiger ist als ein  möglichst tiefer  Zins,  der schliesst eine langfristige Hypothek ab – unter Umständen gar von 25 Jahren. Die Versicherer sind hier federführend.

Die Zinsen wollen und wollen nicht steigen. Deshalb stehen die langfristigen Hypotheken weiterhin in der Gunst jener Eigenheimbesitzer, die für lange Zeit mit einem festen Zinssatz kalkulieren und keine bösen Überraschungen erleben möchten. Die Banken sind jedoch wegen des Zinsänderungsrisikos nicht erpicht darauf, 10-jährige Hypotheken abzuschliessen. Doch was sind schon zehn Jahre? Wie wäre es mit einer 15-jährigen, 20-jährigen oder gar einer 25-jährigen Festhypothek?

Die Banken führen keine Laufzeiten von einem Vierteljahrhundert im Sortiment, was nicht heissen will, dass sie keine langfristigen Hypotheken verkaufen. Sie tun es auf Anfrage, sofern der Kunde noch andere Geschäfte mit der Bank pflegt und auf eine lange Laufzeit pocht.

Für Versicherer interessant

Was für Banken nicht interessant ist, kann für Versicherungen anders sein: «15-jährige Hypotheken sind für uns eine interessante Anlage», erklärt Christian Kuhn, Hypothekenspezialist bei Swiss Life. Mit Blick auf die Bilanzstruktur ist diese Aussage keine Überraschung: Lebensversicherer haben sehr lange laufende Sparversicherungen in ihren Portefeuilles. Zum Teil finanziert mit periodischen Prämien, zum Teil mit einer Einmalprämie. Im ersten Fall zahlt der Kunde Jahr für Jahr eine Prämie, manchmal 30 Jahre lang. Bei der Einmalprämienversicherung überweist der Kunde die Prämie auf einen Schlag, deshalb Einmalprämie. Sie wird meistens mit einer Laufzeit von mindestens zehn Jahren abgeschlossen.

Weil also eine Lebensversicherungsgesellschaft Tausende solcher langfristiger Verbindlichkeiten eingeht, hat sie durchaus ein Interesse, langfristige Hypothekarverträge einzugehen. So ist bei Swiss Life eine 25-jährige Festhypothek für nur 2,66 Prozent zu haben. Die einstige Rentenanstalt ist der einzige Versicherer, der Richtsätze für derart lange Laufzeiten publiziert.

Bei den Banken ist das anders: Sie horten Milliarden von Spargeldern, die jederzeit abgezogen werden können. Im besten Fall haben sie das Geld auf höherverzinslichen Depositenkonti, deren Kündigungsfrist aber auch nur ein paar Monate beträgt. Und selbst wenn auch heute noch bei den mickrigen Zinsen jemand Kassenobligationen zeichnen sollte, so beträgt die Dauer auch hier meistens 5 und höchstens 8Jahre, nicht aber 15, 20 oder 25 Jahre. Deshalb sind Banken an langfristigen Verträgen nicht interessiert und bei den entsprechenden Zinssätzen auch nicht konkurrenzfähig.

Scheidung – was jetzt?

Was  für die Versicherungsgesellschaft interessant ist, muss nicht auch für den Hypothekarschuldner von Vorteil sein. «Der Kunde muss sich des Risikos bewusst sein», sagt Christian Kuhn von Swiss Life. Er meint das Risiko, vorzeitig aus der Hypothek aussteigen zu müssen, zum Beispiel wegen einer Scheidung oder eines anderen Grundes, das Haus verkaufen zu müssen. Selbstverständlich kann man sich aus einer Hypothek herauskaufen. Doch je länger die Laufzeit, desto teurer der Ausstieg.

Deshalb sind die Aussendienstmitarbeiter von Swiss Life angehalten, die Kundschaft auf die Risiken aufmerksam zu machen. Sie haben keinen finanziellen Anreiz, möglichst langfristige Hypotheken zu verkaufen. Bei den Sparversicherungen ist das anders: Hier nimmt die Provisionierung bei längerer Vertragsdauer und damit höherem Prämienvolumen zu.

Budgetsicherheit vor Rendite


Wie es scheint, sind sich Eigenheimbesitzer dieses Risikos bewusst. Swiss Life hat nur wenige Hypotheken über 15 und mehr Jahre verkauft. Das Gleiche hört man bei der Zürich, bei welcher die 15-jährige Variante mit einem Zins von 2,02 Prozent zu haben ist. Laut Sprecher Frank Keidel sind Festhypotheken mit einer Laufzeit von mehr als 10 Jahren «ein Nischenangebot», welches fast ausschliesslich mit institutionellen Kunden abgeschlossen werde. «Wir verzeichnen nur einzelne Abschlüsse mit Privaten. Die Nachfrage ist sehr gering.»

Stephan Zbinden.
Stephan Zbinden.

Und doch: «Wem die Budgetsicherheit das wichtigste Anliegen ist, ist mit einer langfristigen Hypothek von zum Beispiel 20 Jahren auf der sicheren Seite», meint Stephan Zbinden vom Finanzzentrum in Interlaken. Er denkt etwa an junge Familien, die noch längere Zeit mit hohen Ausbildungskosten für die Kinder rechnen. Er denkt auch an Leute im fortgeschrittenen Alter, die insbesondere im Hinblick aufs Rentnerdasein über ein fixes Einkommen verfügen  und damit auch auf der Kostenseite mit fixen  Beträgen kalkulieren möchten.

 

Erschienen in der BZ am 26. August 2014

Claude Chatelain