Wo sich Prävention auszahlte

Die Chiene in Reichenbach.
Die Chiene in Reichenbach.

Das Unwetter der vergangenen Wochen hätte deutlich grössere Schäden angerichtet, wenn in den letzten Jahren nicht Millionen von Franken in den Hochwasserschutz investiert worden wären. Namhafte Beiträge stammen von der Mobiliar.

Die Gebäudeversicherung des Kantons Bern muss nach dem Unwetter der letzten Wochen Schäden von rund 14 Millionen Franken an Gebäuden decken, wie die GVB gestern mitteilte. Die Mobiliar rechnet gesamtschweizerisch mit Schäden von über 20 Millionen Franken, davon 5 Millionen im Kanton Bern. Die Bilanz wäre verheerender ausgefallen, wenn in den vergangenen Jahren keine Vorkehrungen getroffen worden wären. «Die Schutzmassnahmen der letzten Jahre haben sich bewährt und gezeigt, wie wichtig Prävention ist», meint Bruno Kuhn, Leiter Versicherungen der Mobiliar. Der führende Schadenversicherer nennt konkrete Beispiele: Nachdem in Wilderswil im Berner Oberland der Damm verstärkt und erhöht worden war, blieb das Dorf beim Unwetter von 2007 von nennenswerten Schäden verschont. Zwei Jahre davor trat die Lütschine bei gleichem Abfluss über die Ufer und richtete Schäden von über 120 Millionen Franken an.

Keine Schäden bei der Chiene

Ein anderes Beispiel betrifft die Chiene, die vom Kiental kommend in Reichenbach in die Kander fliesst. Mit 530 000 Franken unterstützte die Mobiliar 2007 den Bau einer neuen, höheren Brücke sowie den Bau eines Geschiebesammlers, einer Geschieberückhaltesperre und die Verbreiterung der Chiene. Nach Schätzungen der Mobiliar konnten dadurch beim Unwetter vom 10. Oktober 2011 Schäden von 8,5 Millionen Franken vermieden werden.

Geld vom Überschussfonds

Ein aktuelles Beispiel war heuer in Burgdorf zu beobachten. Nur dank dem Hochwasserschutz, welcher die Mobiliar mit 675 000 Franken unterstützte, seien am 24. Juli 2014 gewaltige Schäden in den Wohnquartieren verhindert worden. Der führende Haushalt- und Betriebsversicherer der Schweiz unterstützte seit 2005 rund 70 Projekte und hat dafür 30 Millionen Franken bereitgestellt. Das Geld entnimmt sie jeweils dem Überschussfonds der Genossenschaft, der mit Gewinnen alimentiert wird. Statt also einen Teil der Gewinne in Form von Dividenden den Aktionären auszuschütten, überweist die Mobiliar einen Teil des Gewinns in den Überschussfonds. Mit einem Teil dieses Fonds werden die eben genannten Präventionsmassnahmen finanziert. Ein anderer, grösserer Teil kommt den Versicherten in Form von einem Prämiennachlass zugute. Die Mobiliar mit Hauptsitz Bern ist der einzige private Versicherer, welcher im grossen Stil bauliche Massnahmen zum Hochwasserschutz finanziert. Sie tut dies seit 2005. Auslöser war das verheerende Hochwasser vom August 2005. Unvergessen sind die Bilder des überschwemmten Mattequartiers in der Berner Altstadt. Die halbe Deutschschweiz befand sich damals im Ausnahmezustand. Die gesamte Schadensumme belief sich auf knapp 3 Milliarden Franken. An der Spitze der Schadenstatistik lag der Kanton Bern mit 805 Millionen Franken, gefolgt von Luzern mit 590 Millionen Franken. 

 

 

Auch die GVB macht Prävention

Auch die Gebäudeversicherung des Kantons Bern (GVB) gibt jährlich Geld aus für Präventions-massnahmen. Dies vorab im Brandschutz. Im vergangenen Jahr beliefen sich die entsprechenden Kosten gemäss Jahresbericht auf 36 Millionen Franken. Was den Hochwasser-schutz betrifft, hat die GVB aus dem Hochwasser 2005 die Lehren gezogen und die «Stiftung für Prävention von Gebäudeschäden» gegründet. Sie hat seither 3400 Gesuche bearbeitet und 3,6 Millionen Franken gesprochen. 

Doch im Unterschied zur Mobiliar finanziert die GVB keine Dämme oder Stollen oder andere Projekte, welche in den Zuständigkeitsbereich des Kantons oder der Gemeinden gehören. Sie finanziert Präventionsmassnahmen an den versicherten Immobilien. Dabei unterstützt sie Hauseigentümer mit einem finanziellen Betrag von bis zu 20 Prozent der Investition, maximal 5000 Franken pro Gebäude

 

Erschienen in der BZ am 8. August 2014


Claude Chatelain