Vierte Säule: Alles oder nichts, heisst die 3a-Devise.

Aufgepasst beim Sparen 3a. Sonst geht es Ihnen wie einem Bekannten von mir, einem ausgewiesenen Kenner der 2.Säule. Als Experte wusste er, dass die Auszahlung des 3a-Guthabens einer progressiven Steuer unterliegt. Deshalb sollte man mehrere Konti 3a besitzen und in verschiedenen Jahren auflösen. Man spart damit Steuern.

Der Experte wusste ebenfalls, dass er mit Alter 70 das letzte der 3a-Konti aufgelöst haben muss. Zudem ist ihm bekannt, dass man keine Teilbeträge beziehen kann. Alles oder nichts, heisst die 3a-Devise.

Er legte je 50000 Franken in zwei Vorsorgefonds an: in einen mit 45 Prozent Aktien und einen anderen mit 25 Prozent Aktien. Heuer wollte er mit 69 Jahren die Anteile des einen Fonds verkaufen und den Erlös auszahlen lassen. Im nächsten Jahr hätte er dann das Gleiche mit dem anderen Fonds gemacht. Die Steuerprogression wäre gebrochen worden.

«Geht nicht», sagt ihm die Bank. Denn die beiden Fonds sind mit demselben 3a-Konto verknüpft. So muss er den Gesamterlös von rund 100000 Franken auf einen Schlag beziehen und versteuern: Als konfessionsloser, verheirateter Mann mit Wohnsitz Bern liefert er dem Staat 3926 Franken Steuern ab. Könnte er in zwei verschiedenen Jahren je 50000 Franken beziehen, beliefe sich die Steuerschuld auf 3077 Franken. Das Nichtwissen kostet den Experten 852 Franken. Für dieses Geld hätte er mich einige Male zu einem legendären Wienerschnitzel ins Jack’s vom Schweizerhof einladen können.

«Das steht so nirgends in der Verordnung BVV3, sondern nur im Kreisschreiben der Steuerbehörden», beklagt sich der Mann: «Ich Idiot wusste das nicht und gehe deshalb davon aus, dass viele Leute das auch nicht wissen.» Da wird er wohl recht haben. Also: Eröffnen Sie mehrere Konti 3a. Unterschiedliche Fonds sind mit verschiedenen 3a-Konti zu verknüpfen, sonst geht es Ihnen wie dem Experten. Immerhin befänden Sie sich damit in bester Gesellschaft.

 

Erschienen in der BZ am 17. Juni 2014

 

Claude Chatelain