Vierte Säule: Zu den Motionen Badran

SP-Nationalrätin Jacqueline Badran.
SP-Nationalrätin Jacqueline Badran.

Ich komme nicht umhin, nochmals auf die Motionen der Zürcher SP-Nationalrätin Jacqueline Badran zurückzukommen. Sie will ausländische Investoren vom Kauf börsenkotierter Immobilienaktien und Immobilienfonds fernhalten. Heimatschutz ist sonst nicht Sache der SP. Doch Badran macht die Ausländer dafür verantwortlich, dass die Häuserpreise derart in die Höhe schossen. Dies auch zum Nachteil unserer Pensionskassen. Letzte Woche versenkte der Ständerat die beiden Motionen.

Ich habe nie verstanden, weshalb der drohende Rauswurf ausländischer Investoren nicht auf die Kurse drückte. Womöglich nahmen die Anleger die Motionen nicht ernst. Das wäre freilich ziemlich kühn angesichts der Tatsache, dass Bundesrat und Nationalrat die Motionen vorbehaltslos unterstützten.

Mehrere Banker sagten mir, der Ausländeranteil sei bei indirekten Immobilienanlagen nur gering und habe kaum Einfluss auf die Kurse. Die CS stützt diese These. Sie schrieb in einer Studie, dass im Mittel weniger als 10 Prozent aller Immoaktien und Immofonds im Besitz ausländischer Anlegern sei.

Nun muss man wissen, dass die Hochfinanz all ihre lobbyistischen Register zog, um die Ständeräte zur Ablehnung der Motionen zu bewegen. Selbst der Pensionskassenverband stellte sich auf die Seite der Hochfinanz und gegen die Interessen ihrer Mitglieder. Das muss einen stutzig machen: Warum läuft die Hochfinanz Sturm, wenn doch der Ausländeranteil nur gering sein soll? Ich traue dieser Sache nicht. Zumal wir durchaus ein Interesse hätten, wenn Ausländer von diesem Markt fernblieben und somit die Nachfrage abnähme. Die meisten Immofonds und Immoaktien sind nur mit einem Aufpreis zu haben. Der Kurs liegt über dem Wert der zugrunde liegenden Liegenschaften. Dies nur deshalb, weil die Nachfrage grösser ist als das Angebot.

Schön wäre es, wenn wir über das Anliegen von Jacqueline Badran abstimmen könnten. Im Unterschied zu den Ständeräten stimmen wir in unserem Interesse und lassen uns nicht schmieren.


Erschienen in der BZ am 10. Juni 2014

Claude Chatelain