Vierte Säule: Zu den leidigen Kickbacks

Heute wollen wir das leidige Thema der Kickbacks in Erinnerung rufen: Wenn eine Bank im Auftrag des Kunden Anlagefonds kauft, erhält sie von der Fondsgesellschaft eine Retrozession. Das ist eine Art Verkaufsprovision. Besser gefällt mir der Begriff Kickback: Ein Kick ist für mich ein Fusstritt, und das Wort Back verbinde ich mit dem Hintern. Wer es stubenrein haben möchte: Das Onlinewörterbuch übersetzt Kickback an erster Stelle mit Bestechungsgeld, an zweiter Stelle mit «geheime Lohnrückzahlung».

 

Das Problem der Kickbacks liegt darin, dass ein Anlageberater jene Fonds empfehlen könnte, welche ihm die höchste Provision aufs Konto spülen. Das ist  nicht im Interesse des Kunden. Deshalb hat das Bundesgericht im Oktober 2012 bestätigt, dass Retros dem Kunden gutgeschrieben werden müssen. Freilich bezieht sich der Entscheid allein auf Vermögensverwaltungsmandate, wo der Anlageberater die Gelder des Kunden ohne Rücksprache gemäss der vereinbarten Anlagestrategie investiert. 

Bei der herkömmlichen Anlageberatung gilt dieser Entscheid nicht. So dürfen die Banken laut geltender Rechtsprechung die Retros behalten, wenn der Kunde ausdrücklich darauf verzichtet. Das tut er, indem er viel Kleingedrucktes unterschreibt, das eh niemand liest.

Am einfachsten wäre es, man würde solche Retros im Anlagefondsgeschäft verbieten, wie das in England, Dänemark und den Niederlanden gemacht wird. Doch die Fondsindustrie wehrt sich dagegen. Verständlich, denn ohne das Zückerchen in Form einer Provision riskiert sie, dass die Banken ihren Kunden nur noch ETF ins Depot legen und die Fondsgesellschaften auf ihren Anteilen sitzen bleiben. 

Solche Exchange Traded Funds, welche einen Börsenindex abbilden und an der Börse wie Aktien gehandelt werden, zahlen keine Kickbacks. Das sollte für die Banken Antrieb sein, vermehrt auf solche Vehikel zu setzen. Im Interesse des Kunden und zur Vermeidung von Ärger.

 

Erschienen in der BZ am 3. Juni 2014

 

Claude Chatelain