Vierte Säule: Eine gute Nachricht, wenn die CS die Lizenz behalten darf?

Und dann noch eine gute Nachricht, sagte der Tagesschausprecher am letzten Dienstag: «Die Credit Suisse kann die Lizenz in den USA behalten.» Ist das wirklich eine gute Nachricht? Eine gute Nachricht für wen?

Für Tagesschausprecher Florian Inhauser ist das eine gute Nachricht, dass die CS in den USA die Lizenz behalten darf.
Für Tagesschausprecher Florian Inhauser ist das eine gute Nachricht, dass die CS in den USA die Lizenz behalten darf.

Zumindest für den Schweizer Steuerzahler ist das eine zwiespältige Nachricht. Schon mal etwas von «too big to fail» gehört? Zwar wäre die Credit Suisse auch ohne das US-Geschäft für uns Schweizer immer noch zu gross, um sie fallen zu lassen. Doch ohne das volatile Geschäft in den Vereinigten Staaten würde zumindest das Risiko sinken, wieder eine Bank retten zu müssen.

Für das Duo Brady Dougan und Urs Rohner sowie deren Nachfolger ist es dagegen eine gute Nachricht, dass ihre Bank weiterhin in den USA geschäften darf. Das erleichtert es ihnen, exorbitante Boni zu rechtfertigen. Sie können auf die USA verweisen, wo Auswüchse in der Boni-Politik nicht unüblich sind.

Eine gute Nachricht ist das auch für die USA selber: Müsste die CS ihren Laden in Übersee dicht machen, wären Tausende Mitarbeiter auf der Strasse. Mit solchen Massnahmen gewinnen Politiker keine Wahlen. In den USA ist die CS  nicht nur ein grosszügiger Arbeitgeber, sondern auch ein potenter Steuerzahler und – wie wir seit einer Woche wissen – sogar ein namhafter Bussenzahler. 

Schwieriger ist die Frage, wie der Aktionär auf einen Entzug der Lizenz reagiert hätte. Zählt man all die eingefahrenen Verluste, die Rückstellungen für drohende Rechtsstreitigkeiten  sowie die überteuerten Akquisitionen zusammen, so dürfte diese Summe die kumulierten Gewinne übertreffen. Gewiss, den Aktionär interessiert die Zukunft, nicht die Vergangenheit. Eben diese Zukunft ist mit einigen Unsicherheiten belastet. In den USA bewegt man sich in einem Land mit einer unberechenbaren Justiz und dem Damoklesschwert kostspieliger Sammelklagen und anderer Rechtsstreitigkeiten. Womit wir bei einer Börsenweisheit angelangt wären: «Der Aktionär liebt Klarheit und hasst Ungewissheit.»

Als Steuerzahler geht es mir nicht anders.

Erschienen in der BZ am 27. Mai 2014

Claude Chatelain