Zwei gute Börsenjahre und den Pensionskassen gehts besser

Die Pensionskassen blicken auf zwei erfolgreiche Börsenjahre zurück. Nur noch 13 Prozent fallen in die Klasse mit «hohem oder eher hohem Risiko».

Plus 7,4 Prozent im 2012; plus 6,1 Prozent im zurückliegenden Jahr. Kein Wunder, dass die Pensionskassen bei solchen Durchschnittsrenditen besser dastehen als auch schon. 93 Prozent der Vorsorgeeinrichtungen ohne Staatsgarantie wiesen Ende 2013 einen Deckungsgrad von mindestens 100 Prozent auf. Im Jahr zuvor waren es «nur» 90 Prozent gewesen. Wobei die Aussagekraft des Deckungsgrades nicht überbewertet werden soll.

Mangelhafte Kennziffer

Bei einem Deckungsgrad von 100 Prozent wäre eine Vorsorgeeinrichtung in der Lage, allen heutigen und künftigen Verpflichtungen nachzukommen. Doch die Frage, wie weit künftige Verpflichtungen erfüllt werden können, beruht auf Schätzungen, zum Beispiel auf Prognosen über die Kursentwicklung von Aktien und Obligationen. Diese Schätzung schlägt sich im technischen Zins nieder. Und weil in Zukunft mit weniger Finanzerträgen gerechnet wird, wurde der technische Zins im Verlauf der vergangenen Jahre von vielen Kassen nach unten korrigiert. Dies wiederum führt zu einem tieferen Deckungsgrad. «Die Deckungsgrade  der Vorsorgeeinrichtungen ohne Staatsgarantie hätten  sich sogar noch stärker verbessert, hätte nicht der Trend zu einer vorsichtigeren Bewertung der Vorsorgeverpflichtungen angehalten», erklärte gestern Vera Kupper Staub, Vize-Präsidentin der Oberaufsichtskommission Berufliche Vorsorge (OAK BV), an einer Medienkonferenz in Bern. Mit vorsichtigeren Bewertung meint sie eben die Senkung des technischen Zinssatzes.

Fünf Risikoklassen

Doch der Deckungsgrad ist nur eine Momentaufnahme und erst noch eine zweifelhafte. Je nach dem Rentnerbestand, der versprochenen Leistungen, dem technischen Zinssatz oder  den Risiken in der Anlagestrategie  kann sich eine Kasse einen höheren oder  tieferen Deckungsgrad leisten. Deshalb nimmt die OAK das finanzielle Risiko genauer unter die Lupe und teilt die Kassen in fünf Stufen ein: Die Kassen mit kleinen Risiken sind in Stufe eins; die Kassen mit hohen Risiken in Stufe fünf. Und siehe da: Betrachtet man also nicht nur den Deckungsgrad, sondern die gesamte Risikosituation aufgrund der relevanten Kennziffern, so hat sich die Situation im vergangenen Jahr markant verbessert: Aktuell müssen nur noch 13 Prozent der Vorsorgeeinrichtungen ohne Staatsgarantie dem Segment mit hohem oder eher hohem Risiko zugemessen werden. Im Jahr zuvor, 2012, waren es gemäss der Oberaufsichtskommission noch 41 Prozent gewesen.

Erschienen in der BZ am 7. Mai 2014

Claude Chatelain