Vierte Säule: Zu den Befürwortern einer Erdbebenversicherung

Der Walliser Ständerat Jean-René Fournier setzt sich für eine obligatorische Erdbebenversicherung ein.
Der Walliser Ständerat Jean-René Fournier setzt sich für eine obligatorische Erdbebenversicherung ein.

Heute wollen wir uns mit etwas beschäftigen, das Leute gerne verdrängen: der Gefahr eines Erdbebens im Kanton Bern. Wer auf dieses Risiko hinweist, wird gerne belächelt. Kürzlich ist in dieser Zeitung ein längerer Beitrag darüber erschienen. Darin war unter anderem zu lesen, dass in der Schweiz eine obligatorische Erdbebenversicherung eingeführt werden soll.

Der Artikel löste auf dem Onlineportal bissige Reaktionen aus. Er sei «Teil einer gut orchestrierten Medienkampagne der Sachversicherer, die mit der obligatorischen Erdbebenversicherung ein Milliardengeschäft machen wollen», schrieb einer. «Die Versicherungen suchen neue Geldquellen», kommentierte ein anderer.

Die geplante Einführung einer Erdbebenversicherung geht in der Tat auf eine Motion eines Versicherungslobbyisten zurück, auf Ständerat Jean-René Fournier. Er ist Verwaltungsrat bei der Helvetia. Doch Fournier ist nicht nur Verwaltungsrat, er ist vor allem auch Walliser. Ich behaupte, dass er die Motion vorab als Standesvertreter des erdbebengefährdeten Hochtals einreichte und nicht als Interessenvertreter der Helvetia-Versicherungen. Zudem muss man wissen, dass sich der Versicherungsverband nie gross für eine obligatorische Erdbebenversicherung starkmachte. Warum sollte er? Sie wird Teil der obligatorischen Feuer- und Elementarschadenversicherung, welche in den meisten Kantonen, auch in Bern, Sache der kantonseigenen Monopolanstalt ist. Das sind nicht gerade die Freunde der Privatassekuranz. Zudem bieten heute einige Versicherer Zusatzversicherungen für Erdbebenschäden an. Dieses Geschäft könnten sie bei einer Ausweitung der Elementarschadenversicherung vergessen.

Der Hauseigentümerverband ist gegen eine obligatorische Erdbebenversicherung. Er sagt, bei grossen Naturkatastrophen müsse eh der Staat einschreiten wie weiland bei der UBS. Mit anderen Worten: Wenn der Hauseigentümer einen Schaden erlitt, soll der Mieter via Steuern mitzahlen. Sehr nett.

 

Erschienen in der BZ am 29. April 2014

Claude Chatelain