Vierte Säule: Über die Papierflut aus dem Bundeshaus

Im Bundeshaus wird viel, sehr viel gearbeitet.
Im Bundeshaus wird viel, sehr viel gearbeitet.

Wissen Sie, weshalb es vor dem Bundeshaus zwei parallel verlaufende Zebrastreifen gibt? Damit die Beamten, die zu früh nach Hause gehen, nicht mit jenen kollidieren, die zu spät ins Büro kommen. Dieser Beamtenwitz ist uralt und nicht besonders lustig. Für einen Basler Anwalt könnte der Witz sogar rassistisch sein, wie Alexander Tschäppät, spezialisiert auf Italienerwitze, bestätigen wird.

Mein Vater selig, ein eidgenössischer Beamter, hatte mir einige solcher Witze erzählt. Sie haben immer die gleiche Botschaft. Sie wollen sagen, dass unter der Bundeshauskuppel das Prinzip «Management by Mikado» gilt. Der Erste, der sich bewegt, hat verloren. An solche Sprüche muss ich denken, wenn ich vom Newsdienst der Eidgenossenschaft mit Meldungen überflutet werde. Allein am letzten Mittwoch erreichten mich über ein Dutzend E-Mails. Da wurde mir so Aufregendes mitgeteilt, wie dass der Bundesrat

  • eine Botschaft zum Kyoto-Protokoll verabschiedet hat;
  • ein Verhandlungsmandat über die Teilnahme der Schweiz am EU-Programm Kultur 2014 bis 2020 verabschiedet hat;
  • die Open-Government-Data-Strategie Schweiz 2014 bis 2018 verabschiedet hat;
  • auch in Zukunft einen sicheren und effizienten Rechtsverkehr sicherstellen will;
  • den Bericht «Eine Industriepolitik für die Schweiz» verabschiedet hat.


Zudem informierte mich der Newsdienst der Eidgenossenschaft darüber, dass

  • Inhaber eines moldawischen Passes bei der Einreise in den Schengen-Raum von der Visumpflicht befreit wurden;
  • der Seco-Bericht «Fachkräftemangel in der Schweiz» einen Überblick über die Nachfrage nach Fachkräften in verschiedenen Berufsfeldern verschafft.

Unglaublich, was für ein Aufwand tagtäglich betrieben wird. Auch als Hommage an meinen Vater kann ich Ihnen daher versichern, dass in der Bundesverwaltung viel gearbeitet wird. Ich will aber auf keinen Fall behauptet haben, dass all diese Arbeit uns auch wirklich glücklicher macht.

Erschienen in der BZ am 22. April 2014

Claude Chatelain