Chatelain rät: Ein Wechsel lohnt sich wie noch nie

Die Krankenkassenprämien steigen 2007 für einmal weniger stark an als sonst. Und doch lief der Draht zum BLICK-Leser-Telefon heiss: Nicht alle kommen mit einem moderaten Prämienaufschlag davon. Der Wechsel zu einer günstigen Kasse empfiehlt sich deshalb für sehr viele Leute.

Bundesrat Couchepin sagte, der Prämienanstieg sei diesmal nur moderat. Lohnt es sich trotzdem, die Kasse zu wechseln?

 

Und wie: Drei von vier Erwachsenen können im kommenden Jahr bei den Krankenkassenprämien 500 Franken oder mehr sparen. So viel wie noch nie. Der Wettbewerb unter den Kassen führt dazu, dass immer mehr alternative Versicherungsmodelle wie HMO, Hausarzt, Telmed oder Light zu richtig attraktiven Preisen angeboten werden. Unter dem Strich gibt es dadurch 2007 viele neue Prämien, die günstiger sind als die günstigsten Prämien im Jahr 2006. Beispiel: Vierköpfige Familie in Basel-Stadt, Grundfranchise. Bisher bei Visana im traditionellen Modell versichert. Wechsel zur günstigsten Kasse im traditionellen Modell: Einsparung 3034 Franken. Wechsel zum günstigsten alternativen Modell: Einsparung 4358 Franken.

Meine Tochter versucht seit Jahren, mich zum Wechsel in eine günstigere Kasse zu bewegen. Ich bin aber schon 79 Jahre alt und war meiner Kasse stets treu geblieben. Habe ich bei einem Kassenwechsel wirklich nichts zu befürchten?

 

Die Leistungen der obligatorischen Grundversicherung sind gesetzlich vorgeschrieben. Jede Kasse muss sich daran halten. Sie riskieren nichts. Das gilt auch für kranke Leute. Wiederholt wurde am BLICK-Telefon die Befürchtung geäussert, als chronisch kranke Person sei der Wechsel in der Grundversicherung mit Problemen behaftet. Natürlich sind die Kassen nicht erpicht darauf, kranke Personen aufzunehmen. Aber das braucht Sie nicht zu interessieren. Die Kassen unterliegen in der Grundversicherung einem Aufnahmezwang: Tipp: Verlangen Sie nicht eine Offerte. Melden Sie sich mit eingeschriebenem Brief einfach an.

Meine Krankenkasse hat mir empfohlen, mich fürs Telmed-Modell anzumelden. Ich hätte eine bessere Dienstleistung und könnte erst noch hunderte von Franken sparen. Ich habe das Gefühl, dass da etwas faul daran ist.

 

Billigere Prämie für eine bessere Leistung - das tönt in der Tat nach etwas Faulem. Doch die Bedenken gegenüber dem Telmed-Angebot sind unbegründet. Die Kassen profitieren davon, wenn sich der Kunde bei einer Telefon-Hotline beraten lässt, ob der Arztbesuch wirklich notwendig ist oder ob der Gang in die Apotheke genügt. Sie müssen zwar vor dem Arztbesuch - ausser bei Notfällen - die Telefon-Hotline anrufen, brauchen sich aber nicht an die Empfehlung zu halten. Ferner haben Sie dank Telmed die Möglichkeit, 24 Stunden am Tag gratis einen medizinischen Ratschlag zu erhalten. Persönlich hätte ich Hemmungen, morgens um 3 Uhr meinen Hausarzt anzurufen. Da wähle ich lieber die Nummer der Telefon-Hotline.

Die Prämie meiner Halbprivat-Versicherung steigt massiv an. Die Kasse sagte mir, dies sei, weil ich ins Spital musste. Ist das möglich? Wird man bestraft, wenn man ins Spital muss? Wofür habe ich denn sonst eine Versicherung?

 

Viele Kassen, CSS, Helsana, ÖKK oder Visana, kennen in der Spitalzusatzversicherung Schadenfreiheitsrabatte. Sofern Sie gesund sind und keine Spitalaufenthalte haben, geniessen Sie die tiefe Prämie mit Schadenfreiheitsrabatt. Sobald Sie jedoch Spitalleistungen in Anspruch genommen haben, steigt Ihre Prämie je nach Kasse bis zu 50 Prozent. Bei den meisten Kassen sinkt nach zwei leistungsfreien Jahren die Prämie wieder.

 

Sie haben im BLICK empfohlen, von der Spitalkostenversicherung halbprivat zur flexiblen Variante zu wechseln. Habe ich dann später die Möglichkeit, wieder zu Halbprivat zu wechseln?

 

Unsere Empfehlung richtete sich nur an Leute, die die Prämie für die Spitalkostenzusatzversicherung halbprivat nicht mehr bezahlen können oder wollen. Doch Ihre Befürchtung ist durchaus begründet: Wenn Sie von der flexiblen Spitalkostenversicherung in die klassische Halbprivat-Versicherung wechseln wollen, müssen Sie sich Fragen zu Ihrer Gesundheit gefallen lassen. Unter Umständen wird Ihnen die Kasse den Wechsel nicht erlauben oder einen Vorbehalt anbringen.

Ich leide seit Monaten unter Schlafstörungen. Und wenn ich schlafe, träume ich von meiner nicht ganz glücklichen Jugend. Ich möchte einen Psychologen aufsuchen. Doch Freundinnen rieten mir, zu einem Psychiater zu gehen. Sonst müsste ich die Kosten selber tragen. Stimmt das?

 

Ja, die Leistungen des Psychiaters sind ganz gewöhnliche medizinische Leistungen, die von der obligatorischen Grundversicherung gedeckt sind. Die Arbeit des Psychologen wird hingegen von der Grundversicherung nicht bezahlt. Wenn Sie jedoch eine Krankenpflegezusatzversicherung abgeschlossen haben, ist die Chance gross, dass zumindest ein Teil der Behandlung von der Krankenkasse bezahlt wird. Die «Top» der Helsana - dies nur ein Beispiel - zahlt 75 Prozent an die Kosten, bis maximal 3000 Franken im Jahr.

Meine Krankenversicherung hat mir vor drei Jahren eine Langzeitpflegeversicherung einfach in die Police aufgenommen. Leider habe ich mich nicht gewehrt. In der Zwischenzeit ist diese Zusatzversicherung um das Dreifache gestiegen. Ich bin nun hin und her gerissen, ob ich die Versicherung kündigen soll oder ob ich sie im Pflegefall nicht gut gebrauchen kann?

 

Diese Pflegeversicherung zahlt Ihnen nach Ablauf von 730 Wartetagen täglich 30 Franken an allfällige Pflegekosten in einem Heim. Für dieses Produkt bezahlen Sie aktuell über 100 Franken Prämien monatlich. Beachten Sie, dass Sie diese Pflegeleistungen erst nach einer Wartezeit von zwei Jahren erhalten. Eine Pflegeversicherung nach kürzerer Zeit ist schlicht unbezahlbar. Ich rate Ihnen deshalb, diese Versicherung zu kündigen. Es ist sogar damit zu rechnen, dass sich dieses Produkt in den nächsten Jahren weiter verteuert. Deshalb ist es sinnvoller, das Geld für solche Versicherungen auf die Seite zu legen und sich damit einen Sparstock für mögliche Pflegekosten aufzubauen.

 

Erschienen im BLICK am 3. November 2006

Claude Chatelain