Hotline: Wer heiratet, ist besser versichert

Franziska Grob, Bundesamt für Sozialversicherungen.
Franziska Grob, Bundesamt für Sozialversicherungen.

Ein Mann fragt, weshalb seine Pensionskasse den Lebenspartner nicht versichert, einer Frau wird die IV-Rente gekürzt, und die geschiedene Rentnerin fragt sich, wer ihr beim Ableben ihres Ex-Mannes die Pension bezahlt. Die Auswertung der Hotline von vergangener Woche.

 

Bruno Graf, Pensionskasse Post.
Bruno Graf, Pensionskasse Post.

1. Gemäss meiner Pensionskasse kann ich mich als geschiedene Frau nicht mehr einkaufen. Stimmt das?
Das kann sehr wohl stimmen. Nicht weil Sie geschieden sind, sondern weil Ihr heutiges Freizügigkeitsguthaben die Einkaufshöchstgrenze überschritten haben dürfte. Bei der Scheidung werden die seit der Hochzeit gehäuften Freizügigkeitsguthaben geteilt und der Pensionskasse des Ex-Partners überwiesen. Wenn das zu teilende Guthaben des Mannes deutlich höher ist als jenes der Frau, lässt das neue Guthaben der Frau häufig keine zusätzlichen Einkäufe mehr zu.

 

2. Ich werde bald heiraten. Müssen wir punkto Pensionskasse etwas unternehmen? Was ändert sich?
Sie werden die Hochzeit wohl der Personalabteilung melden, und sie wird die Mutation der beruflichen Vorsorgestiftung weiterleiten. Mit der Heirat verbessert sich Ihr Versicherungsschutz in der zweiten Säule. Beim Tod hat der überlebende Ehegatte einen gesetzlichen Anspruch auf eine einmalige Abfindung in Höhe von drei Jahresrenten. Wenn Sie Kinder haben oder wenn Sie älter als 45 sind und mindestens fünf Jahre verheiratet waren, erhalten Sie eine Witwen- beziehungsweise Witwerrente.

Ruth Sutter, Bernische Pensionskasse.
Ruth Sutter, Bernische Pensionskasse.

3. Laut meiner Pensionskasse geht mein Lebenspartner bei meinem Ableben leer aus. Kann das sein?
Lebenspartner haben keinen gesetzlichen Anspruch auf Hinterlassenenleistungen. Viele Pensionskassen sehen aber im Reglement auch für Konkubinatspaare eine Hinterlassenenrente oder ein Todesfallkapital vor. Diese sind häufig an Bedingungen geknüpft: Üblicherweise muss die Pensionskasse vom Konkubinat Kenntnis haben, und die Lebensgemeinschaft muss beim Tod mindestens fünf Jahre gedauert haben.

4. Wir gehen zurück nach Deutschland und wollen dort ein Haus kaufen. Können wir dazu das Geld der Pensionskasse anzapfen?
Aufgrund des bilateralen Abkommens mit der EU wird Auswanderern grundsätzlich nur der überobligatorischen Teil der Pensionskasse ausbezahlt. Der obligatorische Teil wird einer Freizügigkeitsstiftung überwiesen. Dieses Guthaben können Sie frühestens fünf Jahre vor dem AHV-Alter beziehen. Wenn Sie an Ihrem künftigen Wohnort in Deutschland ein Haus kaufen, können Sie sich für dessen Finanzierung auch den obligatorischen Teil auszahlen lassen, sofern Sie selber im Haus wohnen und es nicht nur als Ferienhaus benützen.

5. Als Folge der 6. IV-Revision kriege ich nur noch eine halbe statt einer ganzen IV-Rente. Habe ich dafür einen neuen Anspruch bei der Pensionskasse?
Wenn eine Person eine halbe IV-Rente bekommt, wird ihr das Freizügigkeitsguthaben halbiert. Sie selber hatten kein Freizügigkeitsguthaben mehr, weil Sie eine ganze IV-Rente erhielten. Wenn Ihnen nun die Rente halbiert wird, muss Ihre Pensionskasse für Sie eine neue Austrittsleistung berechnen. Diese können Sie sich frühestens fünf Jahre vor dem AHV-Alter auszahlen lassen.

6. Ich bin 62 Jahre alt und möchte mein Pensum reduzieren. Verringern sich dadurch meine Einkaufsmöglichkeiten?
Ja. Mit dem tieferen Gehalt reduziert sich der versicherte Lohn, und damit reduziert sich ebenfalls die maximale Einkaufssumme. Gewisse Pensionskassen bieten im Reglement die Möglichkeit an, ab einem gewissen Alter sich weiterhin zum bisherigen Lohn versichern zu lassen. Damit müssten Sie die entsprechenden Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeiträge selber berappen. Das könnte für Sie trotzdem interessant sein: Sie könnten die Beiträge vom steuerbaren Einkommen in Abzug bringen.

7. Ich bin arbeitslos und werde wegen meines vorgerückten Alters kaum eine Stelle finden. Wie komme ich zu einer Pensionskassenrente?
Liegt Ihr Geld auf einem Freizügigkeitskonto? Dann werden Sie keine Rente erhalten und müssen sich das Kapital auszahlen lassen. Das sollten Sie erst tun, wenn Sie keine Taggelder der Arbeitslosenversicherung mehr erhalten, sonst müssten Sie mit tieferen Taggeldern vorliebnehmen, da die Altersleistung bei der Berechnung des Taggeldes angerechnet wird. Wer eine Rente will, muss nach Aufgabe der Erwerbstätigkeit das Freizügigkeitsguthaben der Stiftung Auffangeinrichtung überweisen und sich dort weiterversichern lassen. Das heisst aber, dass man der Stiftung die Arbeitnehmer- wie auch die Arbeitgeberbeiträge überweist, was sich Arbeitslose häufig nicht leisten können.

8. Meine Pensionskasse zahlt keine Konkubinatsrente. Kann ich wenigstens meine Partnerin via Säule 3a begünstigen?
Wenn Sie geschieden oder standesrechtlich alleinstehend sind, können Sie Ihre Partnerin begünstigen. Ihr wird dann das Geld ausbezahlt, sofern sie mit Ihnen in den letzten fünf Jahren bis zum Tod ununterbrochen eine Lebensgemeinschaft führte. Fragen Sie bei der Bank nach, ob sie allfällige Formulare habe, auf welchen Sie ihre Lebenspartnerin begünstigen könnten. Das erleichtert ihr die Beweisführung.

9. Mein Ex-Mann überweist mir einen Teil seiner Pension, weil wir erst im Rentenalter geschieden wurden. Wer überweist mir die Pension, wenn er stirbt?
Die Pensionskasse Ihres Ex-Mannes, sofern die Ehe mit Ihrem Ex-Mann mindestens zehn Jahre gedauert hat und im Scheidungsurteil eine lebenslange Rente vereinbart wurde. Wobei Pensionskassen in der Regel nur das gesetzliche Minimum der Witwenrente bezahlen, das sogenannte BVG-Minimum. Das ist in den meisten Fällen deutlich weniger, als geschiedene Witwen vorher von ihrem Ex-Mann erhielten, häufig bloss einige Hundert Franken.


10. Meine Pensionskasse zahlt die IV-Rente nur bis zum AHV- Alter. Muss ich mit 65 mit einer Einbusse rechnen?
Das hängt von der Höhe der IV-Rente und von der Höhe des Altersguthabens ab. Im Duoprimat wird die IV-Rente aufgrund des Lohns und die Altersrente aufgrund des Altersguthabens berechnet. Wenn die Kasse unter Umständen noch einen hohen Umwandlungssatz aufweist, ist es sehr wohl möglich, dass die AHV-Rente bei einem überdurchschnittlichen Altersguthaben höher ausfällt als die IV-Rente. Aber auch das Gegenteil kommt häufig vor.

 

Erschienen in der BZ am 15. April 2014

Claude Chatelain