Vierte Säule: So macht sich Uncle Sam unbeliebt

Währned des Kalten Krieges war alles schlecht, was von den Russen kam. Und es war alles gut, was von den Amis kam: Als die US-Amerikaner 1980 an den Winterspielen in Lake Placid die Eishockeyaner der Roten Armee bodigten, wurde das hierzulande wie ein Heimsieg gefeiert.

 

Das war einmal: Heute beschleicht einen ein quälendes Gefühl, wenn ausgerechnet die Amerikaner in der Krimkrise die Russen für ihre Hegemonialpolitik verurteilen. Das Unbehagen lässt sich mit einem Wort umschreiben: Fatca. Mit dem Foreign Account Tax Compliance Act werden hiesigen Banken unverschämte Vorschriften gemacht.

Das gilt nicht nur für die in den USA agierenden Grossbanken. Auch Regionalbanken, die nichts anderes im Sinn haben, als Spargelder von Schweizern entgegenzunehmen und Kredite an Schweizer zu gewähren, haben strammzustehen, wenn Uncle Sam befiehlt. Die Amerikaner schreiben vor, was der Schweizer Bankkunde alles zu unterschreiben hat, um ein Sparkonto eröffnen zu dürfen.

Und dann gibt es noch all die US-Personen, von denen der gefrässige Fiskus der USA Geld will, obschon sie in der Schweiz wohnen und nur die hiesige Infrastruktur benutzen. Gemeint sind all die Greencard-Besitzer und Doppelbürger, die nur deshalb einen US-Pass besitzen, weil sie in Übersee geboren wurden oder weil der Vater oder die Mutter Amerikaner sind.

Am liebsten möchten Regionalbanken gar keine solchen US-Personen mehr aufnehmen, weil sie einen enormen Aufwand verursachen. Die Bank muss beispielsweise jährlich überprüfen, ob diese Personen ihren Wohnsitz in der Schweiz nicht etwa aufgegeben haben. Doch Fatca verbietet es Schweizer Banken, solche US-Personen grundlos abzulehnen. «Das Finanzinstitut darf in der Schweiz ansässige spezifizierte US-Personen in Bezug auf die Eröffnung oder Beibehaltung von Konten nicht diskriminieren», steht wörtlich im Fatca-Abkommen. Fragt sich, ob das schweizerische Bankengesetz überhaupt in Bern oder in Washington geschrieben wird.

 

Erschienen in der BZ am 8. April 2014

Claude Chatelain