Vierte Säule: Zu den Aktien-Pickern

Privatanleger sollten von direkten Engagements in Aktien lieber die Finger lassen. Besser ist, das Geld in Aktienfonds zu investieren. Damit kann man mit wenigen Hundert Franken an einem breit gestreuten Wertschriftenportefeuille teilhaben und das Risiko auf viele Unternehmen verteilten. Das nennt man Diversifikation.

Und doch gibt es Spezies, welche mit Investitionen in einzelne Aktien durchaus auf die Rechnung kommen: Millionäre, Dividendenpicker, Kenner, Spieler und Liebhaber.

Der Millionär: Wer eine Million Franken anzulegen hat, kann 100 verschiedene Aktien zu rund 10 000 Franken kaufen. Der Grundsatz der Diversifikation ist erfüllt. Damit spart man sich all die Gebühren, die dem Fondsvermögen angelastet werden.

Der Dividendenpicker: Wem die Ausschüttung wichtiger ist als der Kursgewinn, kauft Aktien mit hohen Dividenden. Gerade in der heutigen Zeit sind die Dividenden auf Aktien häufig höher als die Zinsen auf Obligationen. Freilich gibt es mittlerweile für gewisse Märkte auch Anlagefonds, welche gezielt in Dividendenperlen investieren.

Der Kenner: Wer das Innenleben einer Firma und dessen Management sehr gut kennt, kann die Marktchancen womöglich besser abzuschätzen als der Markt insgesamt. Das trifft häufig bei kleinen, weniger bekannten Unternehmen zu.

Der Spieler: Wer das Börsengeschehen aufmerksam verfolgt, kann via Internet mit Aktien handeln, von den hohen Kursschwankungen profitieren und damit den Spieltrieb befriedigen. Das hat durchaus seinen Reiz: Der eine fährt ins Casino, der andere surft bei Swissquote, E-Trading oder Trade net.

Der Liebhaber: Wer Aktien nicht nur wegen der Rendite ins Depot legt, sondern weil er sich mit dem Unternehmen verbunden fühlt, kauft die entsprechende Liebhaberaktie. Man freut sich auf die Generalversammlung, wo man alte Bekannte trifft und unter Umständen ein feines Essen serviert bekommt. Wobei viele Fressaktien nicht mehr sind, was sie einmal waren.

Erschienen in der BZ am 1. April 2014

Claude Chatelain