Vierte Säule: Die Bank Vontobel weiss mit Deutschen umzugehen

Susanne Rohmund, ehemalige "Cash"-Reporterin.
Susanne Rohmund, ehemalige "Cash"-Reporterin.

Ausgerechnet die Bank Vontobel ist im Steuerbetrugsfall Uli Hoeness in ein schiefes Licht geraten. Das erinnert mich an eine Reportage vom 26. März 2000 der inzwischen eingestellten Wirtschaftszeitung «Cash». Die Deutsche Susanne Rohmund testete die Anlageberatung der Bank Vontobel. Der Berater liess meine damalige Redaktionskollegin spüren: Ausländerinnen nimmt er mit Kusshand. Hier ihr Erlebnisbericht in voller Länge:

 

"Die Bank Vontobel ist so diskret, dass ich zunächst am kleinen Firmenschild an der Zürcher Bahnhofstrasse 3 vorbeilaufe. Mit dem Aufzug geht es in den dritten Stock, und ich fühle mich wie in der Teppichetage eines Unternehmens.

Hoffentlich bin ich schick genug angezogen, denke ich. Denn ohne Chanel-Kostüm (Sekretärin) oder dunklen Anzug (Banker) kommt hier wahrscheinlich niemand rein. Ich bin auch ohne Designerklamotten selbstbewusst genug. Schliesslich beflügelt mich das Gefühl, 550'000 Franken geerbt zu haben.

 

Die Atmosphäre ist gediegen. Die Sekretärin führt mich in ein Zimmer mit blauen Sesseln und dezenten Gemälden. Auf dem Tisch steht ein Kristall-Aschenbecher. «Kaffee oder Mineral?», fragt mich die Dame. Ich entscheide mich für Kaffee. Eigentlich hätte ich gerne Champagner bestellt, aber der fliesst wohl erst ab einer höheren Geldsumme.

 

Die Bank Vontobel
Die Bank Vontobel

Ueli Lange*, mein Anlageberater, kommt, nachdem der Kaffee serviert ist. Der Banker will wissen, wie mir Zürich gefällt und wie ich denn auf die Bank Vontobel gekommen sei. Dass aufgrund der CDU-Parteispenden-Affäre in Deutschland jedes Kind den Namen der Zürcher Privatbank kennt, verschweige ich aus Diskretion. Schliesslich sei Diskretion das Wichtigste am Bankgeschäft, erklärt mir Lange. Dann gehts zur Sache. «Wie hoch ist denn Ihr Erbe?», will der Anlageberater wissen. «550'000 Franken», erkläre ich. Lange schweigt unbeeindruckt. «Das Lebenswerk meines Götti im Aargau», betone ich. Da das Geld schon in der Schweiz sei, die deutschen Finanzbehörden nichts davon wüssten und mein ständiger Wohnsitz in Deutschland sei, wäre es doch gut, es auch gleich hier zu lassen. Dafür hat der Anlageberater Verständnis.

Sogleich führt er mich in das grosse Einmaleins der Steuerhinterziehung ein. «Am besten lassen Sie alle Konto- und Depotauszüge hier bei uns», sagt der Banker. Wenn ich auf einem Besuch in Zürich sei - vielleicht ein- bis zweimal im Jahr -, würde er mir alle Dokumente vorlegen. So kommt mir das deutsche Finanzamt nicht auf die Schliche. «Und notieren Sie sich meine Telefonnummer an einem geheimen Ort. Zerreissen Sie die Visitenkarte», rät er. Auch Broschüren soll ich auf keinen Fall über die Grenze tragen.

Er rät mir ausserdem, ihn niemals von Deutschland aus anzurufen. Ob er glaube, mein Telefon werde abgehört? Sicher ist sicher, und deshalb rät er nochmals, mich für das Verwaltungsmandat zu entscheiden. Bei diesem Rundumsorglospaket kümmert sich die Bank Vontobel um alles. «Das kostet zwar am meisten, lohnt sich aber auch», betont er. Für wen, frage ich mich.

Mindestens einmal im Jahr will Lange mich in Deutschland besuchen. «Das gehört zum Service», sagt er. Ansonsten ist der Kundendienst der Bank Vontobel aber sehr standardisiert. Der Banker rät mir zu Anlagen in Fonds: «Am besten ein ausgewogenes Verhältnis, 40 Prozent Aktien, 60 Prozent Obligationen- und Geldmarktanlagen».

Um mich von der Performance seiner Bank zu überzeugen, hat er einige Grafiken parat. Auf den Charts zeigen alle Kurven steil nach oben. Die Anlagen in Aktien seien in den vergangenen Jahren sehr gut gelaufen. Wir verabschieden uns. Wieder auf der Strasse, nehme ich Langes Visitenkarte aus der Tasche und zerreisse sie. Sicher ist sicher."

 

 

Erschienen in gekürzter Form in der BZ am 18. März 2014

 

Claude Chatelain