Help Point: Freiwillige Einkäufe sind fast immer gut

FRAGE: Ich habe von der Pensionskasse ein Angebot für den Einkauf von Versicherungsjahren erhalten. Ich habe jahrelang im Ausland gearbeitet, deshalb könnte ich jetzt jährlich 12 000 Franken nachzahlen. Ergibt das einen Sinn? Soll ich den Einkauf über mehrere Jahre verteilen oder möglichst früh viele Jahre einzahlen? Oder ist das 3a-Sparen vorzuziehen? W. A. in S.

Freiwillige Einkäufe in die Pensionskasse lohnen sich aus diesen drei Gründen:

  1. Der einbezahlte Betrag kann voll vom steuerbaren Einkommen in Abzug gebracht werden.
  2. Das angesparte Kapital wird steuerfrei verzinst, wobei die Verzinsung in den überwiegenden Fällen erst noch über den vergleichbaren Marktzinsen liegt.
  3. Mit zusätzlichen Einkäufen wird auch der Schutz gegen Invalidität und Tod verbessert: Je höher das individuelle Pensionskassenguthaben, das sogenannte Freizügigkeitskapital, desto höher die IV-Rente und die Hinterlassenenrenten.

Dieser dritte Punkt ruft allerdings nach einer Relativierung: Bei gewissen Kassen werden Hinterlassenen- und IV-Renten nicht aufgrund des Pensionskassenguthabens, sondern anhand des Lohnes berechnet. Es gilt also das Leistungs- und nicht das Beitragsprimat. In diesem Fall sollten Sie mit zusätzlichen Einkäufen zurückhaltend sein.

Damit ist auch Ihre Frage beantwortet, ob allenfalls das 3a-Sparen vorzuziehen sei: Mit der Säule 3a sind Sie dann besser bedient, wenn die Hinterlassenen- und IV-Renten bei Ihrer Pensionskasse vom Lohn abhängig sind. Sollten Sie nämlich invalide werden oder gar sterben, könnten Sie oder Ihre Erben über das Geld verfügen, sofern es auf einem Konto 3a angelegt ist. Wenn Sie jedoch das Geld der Pensionskasse überweisen, hätten Sie oder Ihre Erben bei einer Invalidität oder beim Tod nichts davon. Die Renten würden trotz zusätzlicher Einkäufe nicht höher ausfallen. Dies gilt, wie gesagt, sofern die Rentenhöhe vom Lohn und nicht vom Pensionskassenguthaben abhängig ist.

Werden aber die Hinterlassenen- und IV-Renten aufgrund des Pensionskassenguthabens berechnet, so sind Einkäufe in die Pensionskasse dem 3a-Sparen vorzuziehen. Je höher das Pensionskassenguthaben, desto besser der Risikoschutz.

Nun haben wir hier einen Zielkonflikt: Zur Aufbesserung der IV- und Hinterlassenenrenten sollten Sie möglichst bald die Einkaufslücken schliessen. Doch aus steuerlicher Sicht ist es vorteilhafter, wenn Sie die Einkäufe auf viele Jahre verteilen. Denn mit zeitlich gestaffelten Einkäufen brechen Sie die Steuerprogression. Was tun? Es gibt keine Paradeantwort. Sie müssen selber abwägen, wieweit Sie unterversichert sind und Sie mit hohen Einkäufen den Risikoschutz bald verbessern wollen.

 

Erschienen im CASH am 23. November 2006

Claude Chatelain